Richtiges Lüften am Arbeitsplatz ist weit mehr als ein Wohlfühl-Thema: Es geht um Gesundheit, Konzentrationsfähigkeit – und um Pflichten des Arbeitgebers. Doch wie gelingt das konkret, ohne dass es zu Konflikten oder gar Erkrankungen kommt? Denn wenn viele Menschen auf engem Raum zusammenarbeiten, haben Viren und Bakterien in der Erkältungssaison leichtes Spiel.
Viele Beschäftigte merken es schon nach kurzer Zeit: Steigt der CO₂- Gehalt in der Luft, sinkt die Leistungsfähigkeit – Müdigkeit und Kopfschmerzen sind die Folge. Zudem sammeln sich in schlecht belüfteten Büros Feinstaub, flüchtige organische Stoffe oder Mikroorganismen an. Regelmäßiges Lüften senkt das Infektionsrisiko, zum Beispiel bei Grippe oder COVID-19, und sorgt für ein gesundes Raumklima.
„Arbeitgeber sind verpflichtet, für eine Arbeitsumgebung zu sorgen, in der ihre Mitarbeiter:innen gesund bleiben. Regelmäßiges Lüften reduziert Infektionsrisiken und verbessert das allgemeine Raumklima“, sagt dazu Harald Bruckner, Referent in der Abteilung Sicherheit, Gesundheit und Arbeit der Arbeiterkammer Wien.
Damit die Luft gut ist und bleibt, sind die regelmäßige Kontrolle von Lüftungsanlagen, das Stoßlüften bei natürlicher Belüftung und – bei technischen Anlagen – die Überwachung der Luftqualität mit Sensoren wichtig. Aber auch in Großraumbüros oder in Räumen ohne Fenster ist die technische Unterstützung durch CO₂- Ampeln oder Luftsensoren (Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsanzeigen) hilfreich. Sie machen die Luftqualität sichtbar und erleichtern das Einhalten von Lüftungsintervallen.
„Regelmäßiges Lüften reduziert Infektionsrisiken und verbessert das allgemeine Raumklima.“
Harald Bruckner, Referent in der Abteilung Sicherheit, Gesundheit und Arbeit der AK Wien
Der Betriebsrat hat Mitbestimmungsrechte bei Gesundheitsschutzmaßnahmen, also auch bei Lüftung, Raumklima und technischen Anlagen. Betriebsratsmitgliedern kommt daher eine zentrale Rolle zu, wenn es um Lüftungskonzepte, die Einführung neuer Lüftungsanlagen oder den Einsatz von Sensoren geht.
Der Betriebsrat kann Lüftungsregeln mitgestalten, Beschäftigte informieren und bei Konflikten vermitteln. Harald Bruckner: „Für mich gilt es zuerst der zentralen Frage nachzugehen: Was ist überhaupt schlechte Luft? Oder anders: Warum ist die Luft schlecht? Liegt es an zu viel oder zu wenig Feuchtigkeit, haben wir es mit Geruchsbelästigung zu tun oder liegt vielleicht ein technisches Problem vor?“
Klare Vereinbarungen und transparente Messwerte entschärfen viele Diskussionen. Denn richtiges Lüften ist nicht nur eine technische Frage, sondern auch eine soziale Herausforderung. Unterschiedliche Temperaturempfindungen oder das Empfinden von Zugluft führen oft zu Unstimmigkeiten innerhalb der Belegschaft.
„Bei Konflikten geht es darum, zuallererst Fakten zu erheben, indem CO₂, Temperatur und Luftfeuchtigkeit gemessen werden. Zuerst muss ich also herausfinden, was überhaupt das Problem ist. Dann erst komme ich auf die Ebene des individuellen Temperaturempfindens. Als Nächstes gilt es dann, Ansätze zu einer gemeinsamen Lösung zu finden“, so Bruckner.
Richtiges Lüften ist auch ein einfaches, aber wirkungsvolles Mittel, um gesünder durch die Erkältungs- und Grippezeit zu kommen. Es stärkt das Immunsystem, senkt das Infektionsrisiko und sorgt ganz nebenbei für ein besseres Miteinander im Büro. Gerade Betriebsrät:innen können aktiv dazu beitragen, dass Lüftungskonzepte umgesetzt werden – durch Mitbestimmung, Information und praxisgerechte Regelungen.
Dann wird aus einer oft unterschätzten Aufgabe ein klarer Beitrag zu Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Denn Gesundheitsschutz beginnt dort, wo Verantwortung geteilt wird – am besten mit einem offenen Fenster und einem offenen Ohr füreinander.