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Weitblick

Lüften am Arbeitsplatz:
Offenes Fenster, offenes Ohr

Stickige Luft, laufende Nasen und müde Köpfe – die Grippezeit stellt viele Arbeitsplätze auf die Probe. Wer regelmäßig lüftet, schützt nicht nur sich selbst, sondern das ganze Team.

Christine  Newald
13.01.2026


in aller kürze

Lüften am Arbeitsplatz 

  • Regelmäßiges Lüften verbessert das Raumklima und reduziert Infektions­risiken.
  • Arbeitgeber sind verpflichtet, für eine gesunde Arbeits­­umgebung zu sorgen - auch technisch.
  • Fenster­lose Büros: CO₂- Ampeln oder Luft­­sensoren ermöglichen bedarfs­orientiertes Lüften.
  • Der Betriebsrat kann Lüftungs­regeln mitgestalten und Konflikte im Team entschärfen.

Richtiges Lüften am Arbeitsplatz ist weit mehr als ein Wohlfühl-Thema: Es geht um Gesundheit, Konzentrations­fähigkeit – und um Pflichten des Arbeitgebers. Doch wie gelingt das konkret, ohne dass es zu Konflikten oder gar Erkrankungen kommt? Denn wenn viele Menschen auf engem Raum zusammen­arbeiten, haben Viren und Bakterien in der Erkältungs­saison leichtes Spiel.

Warum Lüften wichtig ist

Viele Beschäftigte merken es schon nach kurzer Zeit: Steigt der CO₂- Gehalt in der Luft, sinkt die Leistungs­fähigkeit – Müdigkeit und Kopfschmerzen sind die Folge. Zudem sammeln sich in schlecht belüfteten Büros Feinstaub, flüchtige organische Stoffe oder Mikro­organismen an. Regel­mäßiges Lüften senkt das Infektions­risiko, zum Beispiel bei Grippe oder COVID-19, und sorgt für ein gesundes Raumklima.

„Arbeitgeber sind verpflichtet, für eine Arbeits­umgebung zu sorgen, in der ihre Mitarbeiter:innen gesund bleiben. Regelmäßiges Lüften reduziert Infektions­risiken und verbessert das allgemeine Raumklima“, sagt dazu Harald Bruckner, Referent in der Abteilung Sicherheit, Gesundheit und Arbeit der Arbeiter­kammer Wien.


Die Rolle des Betriebsrats

Damit die Luft gut ist und bleibt, sind die regelmäßige Kontrolle von Lüftungs­anlagen, das Stoßlüften bei natürlicher Belüftung und – bei technischen Anlagen – die Überwachung der Luftqualität mit Sensoren wichtig. Aber auch in Großraum­büros oder in Räumen ohne Fenster ist die technische Unterstützung durch CO₂- Ampeln oder Luftsensoren (Temperatur- und Luft­feuchtigkeits­anzeigen) hilfreich. Sie machen die Luftqualität sichtbar und erleichtern das Einhalten von Lüftungs­intervallen.


Harald Bruckner, AK Wien © Erwin Schuh
Harald Bruckner, AK Wien © Erwin Schuh

Regel­mäßiges Lüften redu­ziert Infektions­risiken und ver­bessert das all­gemeine Raum­klima.


Harald Bruckner, Referent in der Abteilung Sicherheit, Gesundheit und Arbeit der AK Wien

Der Betriebsrat hat Mit­bestimmungs­rechte bei Gesund­heits­schutz­maßnahmen, also auch bei Lüftung, Raumklima und technischen Anlagen. Betriebsrats­mitgliedern kommt daher eine zentrale Rolle zu, wenn es um Lüftungs­konzepte, die Einführung neuer Lüftungs­anlagen oder den Einsatz von Sensoren geht.
 

Fakten erheben, Lösungen finden 

Der Betriebsrat kann Lüftungs­regeln mitgestalten, Beschäftigte informieren und bei Konflikten vermitteln. Harald Bruckner: „Für mich gilt es zuerst der zentralen Frage nachzugehen: Was ist überhaupt schlechte Luft? Oder anders: Warum ist die Luft schlecht? Liegt es an zu viel oder zu wenig Feuchtigkeit, haben wir es mit Geruchs­belästigung zu tun oder liegt vielleicht ein technisches Problem vor?“

Klare Verein­barungen und transparente Messwerte entschärfen viele Diskussionen. Denn richtiges Lüften ist nicht nur eine technische Frage, sondern auch eine soziale Herausforderung. Unterschiedliche Temperatur­empfindungen oder das Empfinden von Zugluft führen oft zu Unstimmig­keiten innerhalb der Belegschaft.

„Bei Konflikten geht es darum, zuallererst Fakten zu erheben, indem CO₂, Temperatur und Luft­feuchtigkeit gemessen werden. Zuerst muss ich also herausfinden, was überhaupt das Problem ist. Dann erst komme ich auf die Ebene des individuellen Temperatur­­empfindens. Als Nächstes gilt es dann, Ansätze zu einer gemeinsamen Lösung zu finden“, so Bruckner.


Ein Beitrag zur Gesundheit

Richtiges Lüften ist auch ein einfaches, aber wirkungs­volles Mittel, um gesünder durch die Erkältungs- und Grippezeit zu kommen. Es stärkt das Immunsystem, senkt das Infektionsrisiko und sorgt ganz nebenbei für ein besseres Miteinander im Büro. Gerade Betriebsrät:innen können aktiv dazu beitragen, dass Lüftungs­konzepte umgesetzt werden – durch Mitbestimmung, Information und praxisgerechte Regelungen.

Dann wird aus einer oft unterschätzten Aufgabe ein klarer Beitrag zu Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Denn Gesundheits­schutz beginnt dort, wo Verantwortung geteilt wird – am besten mit einem offenen Fenster und einem offenen Ohr füreinander.


gut zu wissen

5 Praxistipps fürs Lüften 

  1. Stoßlüften statt Dauerkippen: Fenster mehrmals täglich fünf bis zehn Minuten weit öffnen – das sorgt für echten Luftaustausch, ohne dass der Raum auskühlt.

  2. Querlüften: Gegen­überliegende Fenster, wenn möglich, gleichzeitig öffnen, so wird verbrauchte Luft am schnellsten ersetzt.

  3. Klimaanlagen und technische Anlagen warten: Filterwechsel, Reinigung, Messungen usw. müssen regelmäßig durchgeführt werden, damit alles sicher bleibt und funktioniert.

  4. Luftfeuchtigkeit beachten: 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit sind optimal. Zu trockene Luft trocknet Schleimhäute aus und reizt die Augen, zu feuchte Luft begünstigt Schimmelbildung. 

  5. Kommunikation im Team: Klare Lüftungsregeln vermeiden Konflikte zwischen Kolleg:innen. Unbedingt Sicherheits­vertrauens­personen und die Arbeitsmedizin als Verbündete ins Boot holen!



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