Ein kräftiges Plus in Zahlen muss nicht immer nur erfreulich sein. So hat die Arbeiterkammer im Jahr 2025 rund 948 Millionen Euro für ihre Mitglieder erreicht und kann damit auf eine stattliche Steigerung von 15 Prozent gegenüber dem Jahr 2024 verweisen.
Allerdings ist die Leistungsbilanz damit auch „ein Spiegel der wirtschaftlichen Lage“, wie AK Direktorin Silvia Hruška-Frank festhält – und erklärt: „Wenn Unternehmen aufgrund der wirtschaftlichen Situation Beschäftigte abbauen, wenn der Arbeitsdruck so enorm wird, dass die Menschen krank werden oder wenn Betriebe in die Insolvenz schlittern, dann macht sich all das in unseren Zahlen bemerkbar.“
Diese Zahlen bedeuten außerdem: Volle Wartezonen, glühende Telefonleitungen und prall gefüllte Mailboxen in den Beratungsstellen. 2,3 Millionen Beratungen haben die Arbeiterkammern in ganz Österreich im Jahr 2025 durchgeführt, der Großteil davon wie gewohnt in den Bereichen Arbeits-, Sozial- und Insolvenzrecht. Mehr als zwei Jahre Rezession bei gleichzeitig hoher Inflation haben ihre Spuren hinterlassen.
„Wo wir sind, ist Hilfe. Wo wir sind, ist Gerechtigkeit.“
AK Präsidentin Renate Anderl
Die Arbeiterkammer ist die starke Partnerin an der Seite von vier Millionen Beschäftigten in Österreich – in Praxis und Theorie, in der Beratung und in der Interessenpolitik, im Service für Arbeitnehmer:innen und in der Einflussnahme auf die Regierung. Gemeinsam mit den Gewerkschaften sowie den Betriebsratsmitgliedern und Personalvertreter:innen setzt sie sich für die Rechte der Vielen ein.
Der Belegschaftsvertretung kommt dabei eine besondere Aufgabe zu: Sie bekommt volle Rückendeckung durch die Arbeiterkammer und erfüllt ihrerseits eine wichtige Multiplikator:innenrolle. Betriebsratsmitglieder und Personalvertreter:innen können Beschäftigten Orientierung bieten, auf das umfangreiche Beratungs- und Serviceangebot der Arbeiterkammer hinweisen und als Erstanlaufstelle im Betrieb direkte Unterstützung leisten.
Informieren können Belegschaftsvertreter:innen aber auch über Leistungen der Arbeiterkammer, die nicht unmittelbar mit der Arbeitswelt zu tun haben. Oder wie es AK Präsidentin Renate Anderl etwa in Hinblick auf den Konsument:innenschutz oder Mieter:innenrechte formuliert: „Wir müssen gut und breit aufgestellt sein, denn unsere Expert:innen bekommen es mit einer Vielzahl an Problemen zu tun.“
So erzielte die Arbeiterkammer im Jahr 2025 etwa auch Erfolge für ihre Mitglieder, wenn es um unzulässige Kreditbearbeitungsgebühren oder die sogenannte „Parkplatzabzocke“ ging: Betroffene Kund:innen der Santander Consumer Bank und der BAWAG P.S.K. bekamen insgesamt Beträge in hoher zweistelliger Millionenzahl zurück – im Kampf gegen Parkplatzabzocke hat die AK sogar eine gesetzliche Änderung erreicht, die das zweifelhafte „Geschäftsmodell“ nun deutlich weniger lukrativ macht.
Alle Informationen rund um die AK Leistungsbilanz 2025 gibt es online.
Aber auch unerlaubte Vertragsklauseln zu Betriebskosten wurden erfolgreich eingeklagt. Mieter:innen der AMISOLA Immobilien AG erhielten insgesamt bis zu 1,28 Millionen Euro an unrechtmäßig verrechneten Betriebskosten zurück – das sind im Schnitt rund 2.500 Euro je Haushalt.
Dass der Andrang bei den Beratungen im Jahr 2026 voraussichtlich nicht zurückgehen dürfte, hat der AK Präsidentin zufolge auch einen Grund: „Es ist vor allem die Lage auf dem Arbeitsmarkt, die weiter angespannt bleibt und die uns Sorgen bereitet. Denn das Konjunkturpflänzchen ist zart und die Früchte werden erst verzögert am Arbeitsmarkt ankommen.“
Dem Arbeitsmarkt kommt somit auch im laufenden Jahr die volle Aufmerksamkeit zu – Forderungen und Konzepte der Arbeiterkammer beinhalten eine Qualifizierungs- und Weiterbildungsoffensive, endlich Fairness für Teilzeitarbeitende sowie ausreichende Mittel für das AMS.
Im Bereich der Pensionen gilt es, Maßnahmen für ältere Beschäftigte zu setzen, anstatt ein höheres gesetzliches Pensionsantrittsalter zu fordern. Betriebe, die diese gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen, sollen unterstützt werden – wer keine älteren Mitarbeiter:innen beschäftigt, soll hingegen einen Ausgleichsbetrag leisten.
„Wo wir sind, ist Hilfe. Wo wir sind, ist Gerechtigkeit“, sagt Renate Anderl. Sie fasst damit nicht nur die AK Leistungsbilanz für das Jahr 2025 zusammen, sondern unterstreicht auch die Bedeutung der Arbeiterkammer als zentrale Playerin im Kampf für Beschäftigtenrechte.