Wie Führungskräfte zur Frage der Teilhabe stehen, ist für Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen bedeutend. Immerhin hängt davon mitunter auch ab, wie stark ein Betriebsrat eingebunden wird oder ob er überhaupt realistische Chancen hat, ohne Komplikationen gegründet zu werden.
In jedem Fall beeinflusst die Meinung der Führungskräfte die Unternehmenskultur und den Betriebsalltag: Wird Mitbestimmung gelebt oder eher als lästig empfunden? Werden informelle Austauschformen den Möglichkeiten der – gesetzlich geregelten – Betriebsratsarbeit bevorzugt?
Und was gilt, wenn es um die Findung kollektiver oder individueller Lösungen geht? Nicht zuletzt sind all diese Fragen für die Betriebsratsmitglieder selbst relevant. Von ihnen hängt ab, welche Strategien sich im Umgang mit der Führungsebene empfehlen – und wie gut sich die Zusammenarbeit am Ende gestaltet.
„Betriebsratsmitglieder sind interne Top-Expert:innen. Auf dieses Wissen sollten Führungskräfte nicht verzichten.“
Michael Heiling, AK Wien
Die im Auftrag der Arbeiterkammer erstellte IFES-Studie „Betriebliche Mitbestimmung aus Sicht von Führungskräften“ gibt Einblick und liefert überwiegend positive Ergebnisse.
So finden es fast 60 Prozent der rund 1.000 befragten Führungskräfte aus der österreichischen Privat- und Gemeinwirtschaft grundsätzlich wichtig, dass die Belegschaft mitgestalten kann.
Jede zweite Führungskraft findet es außerdem sehr oder eher wichtig, dass es einen gewählten Betriebsrat gibt – dieser Anteil steigt auf 80 Prozent, wenn bereits ein Betriebsrat im Unternehmen existiert.
Michael Heiling, Referent in der Abteilung Betriebswirtschaft der AK Wien: „Diese Zahlen lassen nur einen Schluss zu – nämlich den, dass die Betriebsratsmitglieder in Österreich hervorragende Arbeit leisten, die geschätzt und benötigt wird.“
Drei von vier Führungskräften in einem Unternehmen mit Betriebsrat, die von diesem Betriebsrat auch vertreten werden, bewerten dessen Arbeit außerdem positiv, so die Studie. Heiling: „Vom Engagement der Betriebsrät:innen profitieren die Beschäftigten als Ganzes – und da gehören natürlich auch viele Führungskräfte dazu.“
Betriebsratsarbeit bedeutet Überzeugungsarbeit. Und so sind positive Signale auch dort zu finden, wo es (noch) keinen Betriebsrat gibt. Mehr als jede vierte Führungskraft in einem Unternehmen ohne Betriebsrat würde die Gründung eines Betriebsrats aktiv unterstützen, zwölf Prozent würden aber auch versuchen, eine Gründung zu verhindern.
Die ganze Studie zum Durchlesen findest du online.
Wer sind die Personen, die vehement gegen betriebliche Mitbestimmung agieren? Heiling: „Besonders oft finden sich in dieser Gruppe Führungskräfte, die auch Eigentümer:innen sind. Auffällig ist außerdem, dass Männer und jüngere Personen hier überdurchschnittlich häufig vertreten sind.“
Frauen und Personen mit hoher formaler Schulbildung schreiben dem Thema Mitwirkung hingegen eine höhere Bedeutung zu. Geschlechtsspezifisch fällt überdies auf, dass Frauen in Führungspositionen auch das Vorhandensein eines Betriebsrats im Unternehmen wichtiger ist als Männern – und dass weibliche Führungskräfte in Unternehmen ohne Betriebsrat die Gründung eines Betriebsrats eher unterstützen als ihre männlichen Kollegen. Umso wichtiger ist es, Frauen verstärkt in die Betriebsratsgremien zu bekommen, in denen sie nach wie vor unterrepräsentiert sind.
Interessante Erkenntnisse liefert die Studie auch im Hinblick auf kollektive und individuelle Vereinbarungen: Insgesamt sehen Führungskräfte bei kollektiven Vereinbarungen häufiger Vorteile für ihr Unternehmen als bei individuellen. Existiert bereits ein Betriebsrat, steigt diese Einschätzung deutlich. Heiling: „Auch hier zeigt sich: Wenn ein Betriebsrat im Unternehmen erst einmal gewählt ist, werden seine Vorteile – auch für die Führungskräfte – so richtig sichtbar.“
„Nur Belegschaftsvertreter:innen mit gesetzlich verankerten Rechten helfen den Beschäftigten und den Betrieben unmittelbar und auf lange Sicht.“
Veronika Heimerl, AK Wien
Erfreuliche Ergebnisse bringt überdies die Frage nach Auswirkungen des Vorhandenseins eines Betriebsrats: Selbst Führungskräfte ohne Betriebsrat vermuten, dass die positiven Effekte deutlich überwiegen. Insgesamt sehen Führungskräfte besonders viele positive Auswirkungen in den Bereichen Arbeitsrecht, Kommunikation, Konflikte und Arbeitsbedingungen. Heiling: „Betriebsratsmitglieder sind interne Top-Expert:innen. Auf dieses Wissen sollten Führungskräfte nicht verzichten.“
Dass mehr als die Hälfte der befragten Führungskräfte ohne Betriebsrat im Fall des Falles Vertrauenspersonen anstelle eines Betriebsrats bevorzugen würden – auch zu diesem Ergebnis kommt die Studie –, sollte man laut Veronika Heimerl im Auge behalten. Die Expertin der Abteilung Sozialpolitik der AK Wien betont: „Nur Verhandlungspartner:innen auf Augenhöhe und somit Belegschaftsvertreter: innen mit gesetzlich verankerten Rechten helfen den Beschäftigten und den Betrieben unmittelbar und auf lange Sicht.“