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Mitbestimmen

Mitbestimmung durch die Chef:innenbrille

Wie sehen Führungskräfte das Thema Mitbestimmung? Und was denken sie über Betriebsräte und deren Arbeit? Eine neue Studie gibt Einblick.

Andreas  Rauschal
17.04.2026
in diesem Artikel



    in aller kürze

    Mitbestimmung aus Führungs­kräfte-Sicht

    • Fast 60 % der befragten Führungskräfte in Österreich halten Mitbestimmung grundsätzlich für wichtig.

    • Jede zweite Führungs­kraft befürwortet einen Betriebsrat. In Unternehmen mit Betriebsrat steigt dieser Wert auf 80 %.

    • Drei von vier Führungs­kräften mit Betriebsrat bewerten dessen Arbeit positiv.

    • Frauen in Führungs­positionen unterstützen Betriebsräte häufiger als männliche Kollegen. 

    Wie Führungs­kräfte zur Frage der Teilhabe stehen, ist für Unter­nehmen und Beschäftigte gleichermaßen bedeutend. Immerhin hängt davon mitunter auch ab, wie stark ein Betriebsrat eingebunden wird oder ob er überhaupt realistische Chancen hat, ohne Komplikationen gegründet zu werden.

    In jedem Fall beeinflusst die Meinung der Führungskräfte die Unternehmens­kultur und den Betriebsalltag: Wird Mitbestimmung gelebt oder eher als lästig empfunden? Werden informelle Austausch­formen den Möglich­keiten der – gesetzlich geregelten – Betriebsrats­arbeit bevorzugt? 

    Und was gilt, wenn es um die Findung kollektiver oder individueller Lösungen geht? Nicht zuletzt sind all diese Fragen für die Betriebsrats­mitglieder selbst relevant. Von ihnen hängt ab, welche Strategien sich im Umgang mit der Führungs­ebene empfehlen – und wie gut sich die Zusammen­arbeit am Ende gestaltet.


    Michael Heiling. AK Wien © Lisi Specht
    Michael Heiling, Referent in der Abteilung Betriebswirtschaft, AK Wien © Lisi Specht

    Betriebs­rats­mit­glie­der sind in­ter­ne Top-Ex­pert:in­nen. Auf die­ses Wissen sollten Füh­rungs­kräfte nicht ver­zich­ten.


    Michael Heiling, AK Wien

    Neue Studie liefert Einblicke

    Die im Auftrag der Arbeiter­kammer erstellte IFES-Studie „Betriebliche Mitbestimmung aus Sicht von Führungskräften“ gibt Einblick und liefert überwiegend positive Ergebnisse.

    So finden es fast 60 Prozent der rund 1.000 befragten Führungskräfte aus der österreichischen Privat- und Gemein­wirtschaft grundsätzlich wichtig, dass die Belegschaft mitgestalten kann. 

    Jede zweite Führungs­kraft findet es außerdem sehr oder eher wichtig, dass es einen gewählten Betriebsrat gibt – dieser Anteil steigt auf 80 Prozent, wenn bereits ein Betriebsrat im Unternehmen existiert.

    Michael Heiling, Referent in der Abteilung Betriebswirtschaft der AK Wien: „Diese Zahlen lassen nur einen Schluss zu – nämlich den, dass die Betriebsrats­mitglieder in Österreich hervorragende Arbeit leisten, die geschätzt und benötigt wird.“

    Drei von vier Führungs­kräften in einem Unter­nehmen mit Betriebsrat, die von diesem Betriebsrat auch vertreten werden, bewerten dessen Arbeit außerdem positiv, so die Studie. Heiling: „Vom Engagement der Betriebs­rät:innen profitieren die Beschäftigten als Ganzes – und da gehören natürlich auch viele Führungs­kräfte dazu.“ 

    Frauen Betriebsräte unterstützen stärker als Männer

    Betriebsrats­arbeit bedeutet Über­zeugungs­arbeit. Und so sind positive Signale auch dort zu finden, wo es (noch) keinen Betriebsrat gibt. Mehr als jede vierte Führungs­kraft in einem Unternehmen ohne Betriebsrat würde die Gründung eines Betriebsrats aktiv unterstützen, zwölf Prozent würden aber auch versuchen, eine Gründung zu verhindern. 


    WEBtipp

    Cover Studie Mitbestimmung aus Sicht von Fuehrungskraeften © AK Wien

    Studie „Mitbestimmung aus Sicht von Führungskräften“

    Die ganze Studie zum Durchlesen findest du online.

    Wer sind die Personen, die vehement gegen betriebliche Mitbestimmung agieren? Heiling: „Besonders oft finden sich in dieser Gruppe Führungs­kräfte, die auch Eigen­tümer:innen sind. Auffällig ist außerdem, dass Männer und jüngere Personen hier über­durch­schnittlich häufig vertreten sind.“

    Frauen und Personen mit hoher formaler Schulbildung schreiben dem Thema Mitwirkung hingegen eine höhere Bedeutung zu. Geschlechts­spezifisch fällt überdies auf, dass Frauen in Führungs­positionen auch das Vorhandensein eines Betriebsrats im Unter­nehmen wichtiger ist als Männern – und dass weibliche Führungskräfte in Unternehmen ohne Betriebsrat die Gründung eines Betriebsrats eher unterstützen als ihre männlichen Kollegen. Umso wichtiger ist es, Frauen verstärkt in die Betriebsrats­gremien zu bekommen, in denen sie nach wie vor unterrepräsentiert sind.

    Kollektivverträge statt Einzellösungen: Was Führungskräfte bevorzugen

    Interessante Erkenntnisse liefert die Studie auch im Hinblick auf kollektive und individuelle Vereinbarungen: Insgesamt sehen Führungskräfte bei kollektiven Verein­barungen häufiger Vorteile für ihr Unter­nehmen als bei individuellen. Existiert bereits ein Betriebsrat, steigt diese Einschätzung deutlich. Heiling: „Auch hier zeigt sich: Wenn ein Betriebsrat im Unternehmen erst einmal gewählt ist, werden seine Vorteile – auch für die Führungskräfte – so richtig sichtbar.“ 


    Veronika Heimerl, AK Wien  © Lisi Specht
    Veronika Heimerl, Referentin in der Abteilung Sozialpolitik, AK Wien © Lisi Specht

    Nur Beleg­schafts­ver­tre­ter:in­nen mit ge­setz­lich ver­an­ker­ten Rech­ten hel­fen den Be­schäf­tig­ten und den Be­trie­ben un­mit­tel­bar und auf lan­ge Sicht.


    Veronika Heimerl, AK Wien

    Erfreuliche Ergebnisse bringt überdies die Frage nach Aus­wirkungen des Vorhanden­seins eines Betriebsrats: Selbst Führungs­kräfte ohne Betriebsrat vermuten, dass die positiven Effekte deutlich überwiegen. Insgesamt sehen Führungs­kräfte besonders viele positive Auswirkungen in den Bereichen Arbeitsrecht, Kommunikation, Konflikte und Arbeits­bedin­gungen. Heiling: „Betriebsrats­mit­glieder sind interne Top-Expert:innen. Auf dieses Wissen sollten Führungskräfte nicht verzichten.“ 
     

    Betriebsrat versus Vertrauensperson

    Dass mehr als die Hälfte der befragten Führungs­kräfte ohne Betriebsrat im Fall des Falles Vertrauens­personen anstelle eines Betriebsrats bevorzugen würden – auch zu diesem Ergebnis kommt die Studie –, sollte man laut Veronika Heimerl im Auge behalten. Die Expertin der Abteilung Sozialpolitik der AK Wien betont: „Nur Verhandlungs­partner:innen auf Augen­höhe und somit Belegschafts­vertreter: innen mit gesetzlich verankerten Rechten helfen den Beschäftigten und den Betrieben unmittel­bar und auf lange Sicht.“ 

    Faq

    Führungskräfte und Mitbestimmung

    • Wie stehen Führungskräfte zu Betriebsräten?  
      Positiv: 80 % in Unternehmen mit Betriebsrat befürworten ihn, drei von vier bewerten seine Arbeit positiv.

    • Welche Vorteile hat ein Betriebsrat laut Führungskräften? 
      Die größten Pluspunkte sehen sie in den Bereichen Arbeitsrecht, Kommunikation, Konfliktlösung und Arbeitsbedingungen.

    • Was ist der Unterschied zwischen Betriebsrat und Vertrauensperson?
      Nur Betriebsratsmitglieder verfügen über gesetzlich verankerte Rechte und können als gleichwertige Verhandlungspartner:innen auftreten. Vertrauenspersonen haben diese Rechte nicht, sie können Beschäftigte und Betriebe nicht gleichwertig vertreten.


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