Christian Hackl, Arbeiterbetriebsrat Manner, zu Teuerung © Markus Zahradnik


Teuerung

Gemeinsam gegen die Inflation:
„Wer schnell hilft, hilft doppelt“

Die Inflation setzt den Beschäftigten nach wie vor zu. Für große Lösungen braucht es die Politik – im Kleinen kann aber auch die Beleg­schafts­vertre­tung unterstützen. Manner-Betriebsrat Christian Hackl erzählt.

Andreas  Rauschal
28.05.2026


in aller kürze

Teuerung:

  • Hohe Preise für Wohnen, Energie und Lebensmittel setzen viele Beschäftigte finanziell unter Druck. 
  • Betriebsrät:innen helfen oft als erste Anlaufstelle bei Geldsorgen und Fragen zur Teuerung.
  • Unterstützung im Betrieb gibt es etwa durch  Sozialfonds, Zuschüsse oder Beratung zu finanziellen Hilfen.
  • Die AK fordert Maßnahmen gegen hohe Mieten, steigende Lebensmittelpreise und Energiepreise.
  • Langfristig bleiben starke Kollektiv­verträge und faire Löhne der beste Schutz gegen Kauf­kraft­verlust.

„Manchmal fühle ich mich schon fast wie ein Pfarrer.“ Für einen kurzen Moment muss Christian Hackl schmunzeln. Doch der 56-jährige Arbeiter­betriebsrat von Manner im Wiener Stammwerk im 17. Bezirk wird gleich wieder ernst. „Dass zu wenig im Börserl bleibt und das Leben schwieriger wird, erzählen mir die Leute eigentlich täglich.“

Betriebs­rats­mitglieder sind die Erstansprech­partner:innen der Beschäftigten vor Ort und als solche unmittelbar mit ihren Sorgen, Ängsten und Bedürfnissen konfrontiert. Zu den Hauptsorgen gehört nach wie vor die Inflation – und das nicht von ungefähr. Denn Österreich befindet sich unter den Ländern mit der höchsten Teuerungs­rate im Euroraum. Mit Verbraucher­preisen von zuletzt 3,3 Prozent über dem Vorjahres­niveau, angeheizt durch den Krieg in Nahost und den dadurch gestiegenen Ölpreis, ist auch weiterhin kein Ende in Sicht. 

Teuerung: Die Forderungen der AK

Der heimische Vierjahres­vergleich liest sich besonders dras­tisch: In den Bereichen Mieten und Lebensmittel musste zu Beginn dieses Jahres um je ein Viertel mehr bezahlt werden als noch Anfang 2022. Bei den Energie­kosten war in diesem Zeitraum sogar ein Anstieg von deutlich über 30 Prozent zu verzeichnen. 


Michael Ertl, AK Wien © Markus Zahradnik
Michael Ertl, AK Wien © Markus Zahradnik

Dass in Unternehmen mit Betriebs­rat tendenziell höhere Ein­kommen bezahlt werden, kann nicht oft genug betont werden.


Michael Ertl, Referent in der Abteilung Wirtschaftswissenschaft und Statistik, AK Wien

Michael Ertl aus der Abteilung Wirtschafts­wis­sen­schaft und Statistik der AK Wien und Experte zum Thema Teuerung bringt es auf den Punkt: „Das Hauptproblem ist, dass all diese Bereiche Grund­bedürfnisse sind – denn man muss wohnen, man muss heizen und man muss essen.“

Zwar habe die Bundes­regierung bereits Gegen­maß­nahmen ergriffen und dabei auch Forderungen der AK umgesetzt – Ertl erwähnt die Miet- und die Spritpreisbremse, den Sozialtarif für Armuts­betroffene bei Energie oder die Halbierung der Mehrwertsteuer auf Grund­nahrungsmittel per Juli 2026 –, in vielen Aspekten müsse man aber noch deutlich weiter gehen.

Miet- und Lebens­mittelkosten: unmittelbar und langfristig

„Zum Thema Wohnen etwa fordert die AK das Aus für befristete Mietver­träge – und dass Mieten nur einmal im Jahr um maximal zwei Prozent anstei­gen dürfen. Bei den Lebensmitteln braucht es eine Reform des Preisge­setzes: Unternehmen sollen beweisen müssen, dass ihre Preis­steigerungen gerechtfertigt sind. Wir benötigen endlich eine Preis­datenbank und eine unabhängige Anti-Teuerungs­kom­mission.“

Neben möglichen Unterstützungs­­angeboten, die unmittelbar benötigt werden, dürfe man laut Ertl aber auch die großen langfristigen Ziele nicht aus den Augen verlieren: „Eines unse­rer Haupt­anliegen muss – auch und gerade in der Krise – der ökologische und soziale Umbau der Wirtschaft und die Hinwendung zu erneuerbarer Energie sein, für die nachfolgenden Generationen und für unsere Unab­hängigkeit. Gelingt uns das, wären Energie­preis­schocks so irgendwann gar nicht mehr möglich.“


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Tipp Symbolbild © AK Wien

Strom- und Gaslieferant wechseln

Die Preise der Strom­versorger und Gas­lieferanten unter­scheiden sich teils erheb­lich – ein Wechsel kann helfen.

Anti-Teuerungs­maßnahmen: Sozialfonds und Beratung

Dass Unternehmen, die bereits in ihre Nachhaltigkeit investiert haben, schon jetzt klar im Vorteil sind, steht außer Frage. Bei Manner etwa liefert am Standort im nieder­österreichischen Wolkersdorf eine Photovoltaik­an­lage kräftig zu. Umgekehrt versorgt die Abwärme der Schnittenöfen im 17. Bezirk 600 Wiener Haushalte mit Energie. Eine Win-win-Situation. Hackl, der seit 2003 bei Manner arbeitet und seit 2012 Betriebsrat ist: „Gemeinsam mit der Stadt Wien haben wir hier eine Möglichkeit geschaffen, Energie nachhaltig zu nutzen und jenen zur Verfügung zu stellen, die sie dringender brauchen.“

Während für die großen Weichen­stel­lungen im Kampf gegen die Teuerung die Politik gefragt ist, können im Klei­nen auch Betriebsrats­mitglieder kräf­tig unterstützen. Dabei geht es nicht nur um das offene Ohr im Gespräch – oder das Zurverfügungstellen von Informationen rund um Themen wie Mietrechts­beratung und Energie­anbie­ter­wechsel samt Vergleichs­plattformen oder -rechnern.

So besteht – unter einigen Bedin­gungen – etwa auch die Möglichkeit, besonders stark betroffene Beschäf­tigte mit Mitteln aus dem Betriebs­ratsfonds zu unterstützen. Bei Manner gibt es zusätzlich einen Sozialfonds sowie Möglichkeiten über die Man­ner-Stiftung. Christian Hackl berich­tet über Unter­stützungs­leistungen für teure Medikamente oder kaputte Waschmaschinen, erinnert sich aber auch an einen Extremfall: „Einmal konnten wir eine Kollegin in letzter Minute vor der Delogierung bewah­ren. Da hat sich gezeigt: Wer schnell hilft, hilft doppelt – denn die Kolle­gin hat ihre Zahlungen immer wieder aufgeschoben und niemandem von ihren Problemen berichtet.“

AK Experte Ertl bekräftigt: „An Fällen wie diesem sieht man, wie sehr das Thema auch mit Scham behaftet ist. Umso wichtiger ist es, dass es Betriebsräte gibt, an die sich Beschäf­tigte wenden können – niederschwel­lig und vertrauensvoll.“


Christian Hackl, Arbeiterbetriebsrat, Manner © Markus Zahradnik
Christian Hackl, Arbeiterbetriebsrat, Manner © Markus Zahradnik

Gerade in der Teuerung müssen wir alle zusammen­helfen.


Christian Hackl, Arbeiterbetriebs­rat, Manner

Prämie gut, KV besser

Dazu kommen jede Menge kleinere Maßnahmen, zu denen Betriebsräte in Abstimmung mit dem Unter­nehmen beitragen können und die sich am Ende auch summieren: Sei es bei Manner etwa ein monatlicher Zuschuss für Pendler:innen (egal ob per Öffi oder mit dem Pkw), sei es die Schaffung von sicheren Radabstell­plätzen samt Ladestationen, um kos­tensparend und gesundheitsfördernd mit dem (E-)Bike in die Arbeit zu fahren, sei es die Kantine mit geför­dertem Mittagessen oder der neue Essensautomat, der auch Beschäftig­ten im Schichtbetrieb jederzeit eine kostengünstige Mahlzeit garantiert.

Außerdem kann Christian Hackl bei Manner auf Weihnachts­gutscheine und Teuerungs­prämien verweisen – teilt dabei aber einen zentralen Punkt, den Michael Ertl so formuliert: „Gute, solide Lohn­abschlüsse sind langfristig das wichtigste Instrument im Kampf gegen die Teuerung. Nur Kollektivverträge sichern die faire Entlohnung der Beschäftigten. Und dass in Unternehmen mit Betriebsrat tendenziell höhere Einkommen bezahlt werden, kann ohnehin nicht oft genug betont werden.“


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Tipp Symbolbild © AK Wien

Soziale Ausgaben aus dem Betriebsratsfonds

Mittel aus dem Betriebsrats­fonds dürfen für Wohlfahrts­maßnah­men und Wohlfahrts­einrichtun­gen zugunsten von Beschäftigten verwendet werden. Dafür gibt es aber einige Punkte zu beachten. Du interessierst dich für Details? Dann wende dich gerne an betriebsratsfonds@akwien.at.

Aktionen: Rabatte und Warentausch

Sichtlich stolz erzählt Hackl übrigens über zwei beliebte Aktionen, die dem Manner-Betriebsratsteam firmen­über­greifend gelungen sind: einerseits die Möglichkeit von wechsel­seitigen Mitar­beiter:innen­rabatten bei anderen Unter­nehmen, andererseits der mit diesen gepflegte Warentausch.

„Gerade in der Teuerung müssen wir alle zusammen­­helfen. Manchmal verrutscht in der Produktion zum Beispiel eine Folie und auf der Verpackung ist das Logo nicht mehr gut zu sehen. Dann können wir damit nicht in den Handel, obwohl die Ware einwandfrei ist. Weil das in ande­ren Firmen auch vorkommt, organisieren wir gemeinsame Verteil­aktionen, die sehr beliebt sind. Da geht es oft zu wie auf einem Volksfest.“

Eine Win-win-Situation im Zeichen der Nachhaltig­keit. Und dem Börserl ist damit auch wieder ein wenig geholfen.


Faq

Teuerung und Betriebsrat

  • Warum trifft die Inflation viele Beschäftigte besonders stark? 
    Vor allem steigende Kosten für Wohnen, Lebensmittel und Energie belasten Haushalte massiv. Viele Beschäftigte spüren dadurch einen deutlichen Kaufkraft­verlust.

  • Was können Betriebsräte konkret gegen die Teuerung tun?
    Betriebsräte unterstützen bei finanziellen Problemen, informieren über Hilfsangebote und können – je nach Betrieb – Sozialfonds, Zuschüsse oder andere Unter­stützungen organisieren.

  • Können Beschäftigte Hilfe aus dem Betriebsratsfonds bekommen?
    Ja. Mittel aus dem Betriebsrats­fonds dürfen für Wohlfahrts­maßnahmen und Unter­stützungen für Beschäftigte verwendet werden, etwa in finanziellen Notlagen. 
  • Warum sind Kollektivverträge so wichtig gegen Inflation?
    Weil gute KV-Abschlüsse dafür sorgen, dass Löhne und Gehälter mit den steigenden Lebenshaltungskosten Schritt halten. Unternehmen mit Betriebsrat zahlen zudem häufig bessere Einkommen. 

  • Welche Maßnahmen fordert die AK gegen die Teuerung?
    Die AK fordert Maßnahmen gegen hohe Mieten, steigende Lebensmittel­preise und hohe Energie­kosten, um Beschäftigte zu entlasten.