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Medien unter Druck

Die Medienbranche kämpft derzeit gegen mehrere Krisen. Die Arbeiterkammer unterstützt und erhebt Forderungen.

Alexa Jirez
02.03.2026
in diesem Artikel



    in aller kürze

    Medienbranche 2026

    • Wie steht es um die Medienbranche aktuell?
      Die Medienbranche steht unter massivem wirtschaftlichen, strukturellen und politischen Druck.

    • Wie sind die Arbeitsbedingungen?
      Hohe tägliche Belastung, Unsicherheit, fehlende Mitbestimmung und Druck auf redaktionielle Unabhängigkeit gehören zum Arbeitsalltag.

    • Ist die vierte Gewalt in Gefahr?
      Eingriffe in Inhalte, Sorge um Meinungsfreiheit und Medienvielfalt bilden ein Risiko für die Demokratie.
       
    • Was fordert die AK?
      Eine Arbeitsstiftung für von Job­verluste betroffene Beschäftigte, die Umsetzung des European Media Freedom Act, eine Reform der Presse- und Medienförderung und Schutzmechanismen gegen SLAPP-Klagen.

    Wer in Österreich in den Medien arbeitet, macht das selten „nur“ als Job. Medienarbeit ist oft Berufung und gesell­schaftlicher Beitrag. Gerade deshalb sind die Ergebnisse einer aktuellen IFES-Befragung im Auftrag der Arbeiterkammer Wien so alarmierend. Die Branche lebt vom Engagement ihrer Beschäftigten – gleichzeitig steht sie wirtschaftlich, strukturell und politisch unter massivem Druck.

    Mehr als 1.300 Beschäftigte wurden befragt. Ludwig Dvořák, Chefjurist der AK Wien, bringt den Kern der Ergebnisse auf den Punkt: „Die Beschäftigten in der Medienbranche üben ihren Beruf mit großer Leidenschaft aus. Die hohe Zufrieden­heit mit der eigenen Tätigkeit darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Strukturen und Führungs­kultur dringend verbessert werden müssen.“

    Dvořák ergänzt: „Betriebsräte können wesentlich dazu beitragen, die Kommunikations- und Mitbestimmungs­qualität zu verbessern. Das dient nicht nur den Beschäftigten – gute Arbeitsbedingungen in der Medien­branche sind auch ein wesentlicher Faktor für eine funktionierende Demokratie.“

    Mehrarbeit als Normalzustand in der Medienbranche

    Ein Blick auf die Arbeitszeiten zeigt, wie stark persönlicher Einsatz in der Branche bereits „eingepreist“ ist: Die tatsächliche Wochen­arbeitszeit liegt im Schnitt bei 38,9 Stunden, vertraglich vereinbart sind durchschnittlich 35,4 Stunden. Überstunden gelten vielerorts als Teil des Berufs­verständnisses – besonders in redaktionellen Tätigkeiten. Doch je häufiger aus Einsatz Überlastung wird, desto dringlicher wird die Frage: Wie lange hält ein System, das dauerhaft auf Anschlag läuft?


    Ludwig Dvořák, Bereichsleiter Arbeitsrechtliche Beratung und Rechtsschutz, AK Wien © Lisi Specht
    Ludwig Dvořák, Bereichsleiter Arbeitsrechtliche Beratung und Rechtsschutz, AK Wien © Lisi Specht

    Gute Ar­beits­bedin­gun­gen in der Me­dien­branche sind auch ein we­sent­li­cher Fak­tor für eine funk­tio­nie­ren­de Demo­kra­tie.


    Ludwig Dvořák, AK Wien


    Wie es den Beschäftigten in der Medienbranche geht © Quelle: IFES, AK Wien

    Zu den größten Belastungen zählen Zeitdruck (43 Prozent), gesund­heitliche Risiken – etwa Lärm in Groß­raumbüros, den 40 Prozent als störend empfinden – sowie Unsicherheit über Arbeitsplatz und Perspektiven (36 Prozent). Einer der deutlichsten Befunde betrifft die Führungs­kultur: Nur 39 Prozent sind mit dem Führungsstil in ihrem Unter­nehmen zufrieden – klar unter dem österreichweiten Schnitt. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) fühlt sich durch schlechte Kommunikations­kultur belastet. Nur ein Viertel ist mit den Mit­bestimmungs­möglichkeiten im Betrieb zufrieden.

    Gefährdete Medienvielfalt

    Besonders heikel wird es dort, wo Arbeits­bedingungen direkt mit demokratischer Qualität zusammen­hängen. 75 Prozent der Beschäftigten machen sich Sorgen um die Meinungs­freiheit in Österreich. 37 Prozent der befragten Journalist:innen berichten außerdem von Inter­ventionen in redaktionelle Inhalte. Dvořák warnt: „Wenn drei Viertel der Beschäftigten um die Meinungsfreiheit bangen, ist das nicht nur ein Branchen­thema, sondern ein Alarmsignal für uns alle.“

    Dass diese Entwicklung nicht abstrakt ist, zeigt ein im November 2025 gefasster Beschluss der AK Vollversammlung. Die Medienbranche befinde sich in einer „akuten strukturellen Krise“, die sich durch bereits erfolgten oder angekündigten Verlust von 300 Arbeitsplätzen zuspitzt. Der Abbau gefährde nicht nur Existenzen, sondern auch die Medienvielfalt – und damit eine demokratische Säule. Als Ursachen werden Einbrüche am Werbemarkt, der Abfluss von Werbe­einnahmen an internationale Tech-Konzerne und eine unzureichende Medienpolitik genannt. Gleichzeitig geraten nicht nur Redaktionen unter Druck, sondern auch Producing, Technik, kauf­männische Bereiche und Vertrieb.

    Was die AK fordert

    Die AK fordert ein Bündel an Maßnahmen: eine Arbeits­stiftung für Beschäftigte, die von Jobverlust betroffen oder bedroht sind, die Umsetzung des European Media Freedom Act sowie eine Reform der Presse- und Medien­förderung mit klaren Qualitäts­kriterien. Wesentlich sind auch Schutz­mechanismen gegen SLAPP-Klagen – also Klagen, die die Absicht haben, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. Ziel ist es, Arbeitsplätze zu sichern sowie die Unab­hängigkeit und Medienvielfalt zu stärken.

    Für die Betriebsräte in Medien­unternehmen ist das hochrelevant – weil sich die Krise als tägliche Belastung zwischen Unsicherheit, fehlender Mitbestimmung und Druck auf redaktionelle Unabhängigkeit zeigt.

    Der Befund ist klar: Medien­arbeit braucht Stabilität, nicht Selbst­ausbeutung. Und Medienfreiheit braucht Beschäftigte, die ohne Angst arbeiten können – nicht nur vor Jobverlust, sondern auch vor Inter­ventionen und dauerhafter Über­forderung.

    gut zu wissen

    5 Praxistipps:
    Was können Betriebsträte in der Medien­branche tun?


    1. Nahe dran sein: Redaktionsalltag samt Druck und Überstunden aktiv beobachten

    2. Mitsprache stärken: Nachfragen, wo Beschäftigte bei Arbeitszeit, Ressourcen & Co Probleme haben, und diese Punkte in Gespräche mit der Geschäftsführung einbringen

    3. Druckpunkte benennen: Überlastung, Interventionen und Sorgen gemeinsam thematisieren

    4. Transparenz einfordern: Entscheidungen zu Umstrukturierungen, Personalabbau oder neuen Projekten frühzeitig kommunizieren lassen und Rückfragen der Belegschaft einsammeln 

    5. Rückenwind holen: Arbeiterkammer und Gewerkschaften sind als starke Partner jederzeit für dich da


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