Wenn Fußball-WM ist, verändert sich auch der Arbeitsalltag. Kolleg:innen reden über Spielpläne, Menschen diskutieren in der Mittagspause über Gegner und Chancen – und selbst Nicht-Fans beginnen irgendwann zu fragen, wann Österreich eigentlich gegen wen spielt.
Bei der diesjährigen WM kommt etwas Besonderes dazu: Gespielt wird (von 11. Juni bis 19. Juli) in den USA, in Kanada und Mexiko – und genau dann, wenn Österreich schläft. Manche Spiele beginnen um vier Uhr, andere um sechs Uhr morgens, da klingelt vielleicht schon der Wecker. Einige Spiele beginnen glücklicherweise um 22 Uhr, also zu einer Zeit, die mit dem Arbeitsalltag noch halbwegs vereinbar ist.
„Fußball vereint Arbeitgeber und Beschäftigte“, sagt Arbeitsrechts experte Sascha Tomanek. „Tatsächlich schaffen nur wenige Themen so schnell ein Gemeinschaftsgefühl. Menschen, die sonst kaum miteinander reden, diskutieren plötzlich über Aufstellungen, Chancen oder Elf meterschießen. Vielleicht ist Fußball gerade deshalb so faszinierend: weil man nicht viel wissen muss, um ihn zu verstehen und mitzufiebern.
Doch was gilt arbeitsrechtlich rund um die WM? Darf man später in die Arbeit kommen, wenn das Match in die Verlängerung gegangen ist? Ist Streamen am Arbeitsplatz erlaubt? Und was kann ein Betriebsrat organisieren, ohne gleich die rote Karte zu kassieren?
„Fußball vereint Arbeitgeber und Beschäftigte.“
Sascha Tomanek, Arbeitsrechtsexperte, AK Wien.
So verständlich die Begeisterung auch ist: Wer wegen eines Nachtspiels verschläft oder völlig übermüdet zur Arbeit erscheint, hat arbeitsrechtlich keinen Freistoß. Arbeitszeiten gelten auch während der WM. Wer später kommen möchte, braucht eine Vereinbarung mit dem Betrieb – etwa über Gleitzeit, Zeitausgleich oder Urlaub.
Entscheidend sei laut Sascha Tomanek vor allem, ob Beschäftigte „arbeitsfit“ sind. Gerade in Berufen mit Verantwortung oder Sicherheitsrisiken könne Übermüdung problematisch werden. „Arbeitsfitness ist individuell unterschiedlich“, sagt Tomanek. Klar ist aber auch: Beschäftigte müssen ihre Arbeit grundsätzlich erbringen können. Die Müdigkeit nach einem Elfmeterschießen ist menschlich nach vollziehbar, aber sie ersetzt keinen Urlaubstag.
Die kostenlosen AK-Spielpläne zur Fußball-WM können bei uns bestellt werden.
Schreib uns dazu eine kurze E-Mail an aktuell@akwien.at mit dem Betreff „WM-Spielplan“. Solange der Vorrat reicht.
Ein kurzer Blick aufs Handy, um schnell den Spielstand zu checken? Das wird in den meisten Betrieben niemand dramatisch finden – sofern die private Handynutzung grundsätzlich erlaubt ist. Anders sieht es aus, wenn Beschäftigte ganze Spiele am Dienst-PC oder dauerhaft am Smart phone streamen. Denn auch während der WM gilt: Die Arbeitsleistung darf unter dem Match nicht leiden. Wer statt Excel-Tabellen lieber Taktiktafeln analysiert, bewegt sich schnell im arbeitsrechtlichen Abseits.
Besonders heikel wird es dort, wo Sicherheitsvorschriften oder volle Konzentration notwendig sind – etwa beim Bedienen von Maschinen oder im Straßenverkehr. Da gilt selbst beim spannendsten Viertelfinale: Augen auf die Arbeit – und nicht auf den Bildschirm!
Auch hier bleibt das Arbeitsrecht unsportlich. Wer einfach zu Hause bleibt, weil das Finale bis in die Morgendämmerung gedauert hat, riskiert Probleme. Ein vorgetäuschter Krankenstand kann ernste Konsequenzen haben – bis hin zur Entlassung. Oder, um es im Fußballjargon zu sagen: klare rote Karte.
Gleichzeitig kann die WM auch verbinden. Gerade weil viele Spiele nachts stattfinden, könnten neue Formen des gemeinsamen Fußballschauens entstehen: Frühstücks-Public-Viewings vor Dienstbeginn, gemeinsame Match abende oder kleine Fan-Zonen im Betrieb.
Hier kann auch der Betriebsrat eine Rolle spielen. Grundsätzlich sind gemeinsame Veranstaltungen oder Public Viewings möglich – wichtig ist dabei die Abstimmung mit dem Arbeitgeber. Dabei geht es um Fragen wie Arbeitszeit, Sicherheit oder technische Ausstattung.
Denn so unterschiedlich Arbeitsplätze und Menschen auch sind: Manchmal reicht schon ein spätes Tor in der Nachspielzeit, damit aus Kolleg:innen für einen Moment ein echtes Team wird. Und gerade, wenn es in der Arbeit hoch hergeht wie im Fußball, hilft es, die Spielregeln zu kennen. Oder wie die AK sagt: „You’ll never work alone.“