Nach wie vor laufen hitzige Debatten rund um das Thema Teilzeit. Bereits im Vorjahr ließ bekanntlich Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer mit seiner Aussage zur „Lifestyle-Teilzeit“ aufhorchen. Die Kernaussage: Menschen, die Teilzeit arbeiten, zahlen weniger Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuer. Darum liegen sie den anderen auf der Tasche.
Dabei schwingt mit, viele Menschen wollen gar nicht mehr arbeiten und sind nicht gewillt, ihren fairen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Wohlgemerkt, Leistung wird hier mit Erwerbsarbeit gleichgesetzt und der gesellschaftliche Wert von Sorgearbeit somit übersehen. durch Erbschafts- und Vermögenssteuern? Wie wäre es mit einem Rechtsanspruch auf eine Voll zeitstelle? Beides sind geeignete Wege, wie Menschen in Vollzeitbeschäftigung zu bringen wären.
Irgendwie hat er mit dem Begriff Lifestyle schon recht, der Herr Minister. Allerdings gibt einem das Leben oft die Umstände vor. Wenn ich meine Kinder oder pflegebedürftige Eltern betreuen muss, dann ist das genauso mein Lebensumstand wie wenn mir meine Führungskraft keine Vollzeitstelle zur Verfügung stellt oder aber meine Arbeit körperlich und geistig so fordernd ist, dass mich Vollzeitarbeit kaputtmachen würde. Aus diesem Lifestyle entspringt die Notwendigkeit, Teilzeit zu arbeiten, denn anders lässt sich mein Leben in der entsprechenden Situation gar nicht organisieren.
Der ganzen Debatte liegt das Thema Fairness zugrunde. Dabei gibt es in unserem Land gleich einiges zu tun: Wie wäre es mit einem Ausbau von Kinder- und Pflegeeinrichtungen, finanziert durch Erbschafts- und Vermögenssteuern? Wie wäre es mit einem Rechtsanspruch auf eine Voll zeitstelle? Beides sind geeignete Wege, wie Menschen in Vollzeitbeschäftigung zu bringen wären.
Und wie wäre es, die Mehrarbeit von Teilzeitbeschäftigten endlich so zu entlohnen wie bei Personen, die Vollzeit arbeiten? Und ganz wichtig: Wie wäre es, wenn wir endlich aufhören würden, dem individuellen Menschen die Schuld zu geben – für die Fehler der Politik? Denn in der gegenwärtigen Form führt die Diskussion vollkommen an der Wurzel – also den systemischen Problemen – vorbei.
Die Arbeiterkammer setzt sich derzeit auch mit einer Petition für die Rechte von Teilzeitbeschäftigten ein. Du kannst die Petition hier unterzeichnen und sie auch gleich mit deinen Kolleg:innen teilen: mitmachen.arbeiterkammer.at