Selten habe ich etwas Respektloseres gehört als „Lifestyle-Teilzeit“. Angeblich arbeiten so viele in Teilzeit, damit sie sich ein schönes Leben machen können. Dagegen wäre nichts einzuwenden – es ist aber einfach falsch. Teilzeitbeschäftigte haben viele Gründe für ihre Arbeitszeit: Betreuung von Kindern oder Angehörigen, gesundheitliche Einschränkungen oder fehlende Vollzeitstellen. Ob man in der Stadt oder auf dem Land lebt, ist ebenfalls ausschlaggebend, und auch die Branchen prägen die Arbeitszeit, im Handel oder in der Reinigung sind Vollzeitstellen der Ausnahmefall.
Jede zweite Frau, aber nur jeder achte Mann arbeitet Teilzeit. Bei den Frauen sind überwiegende Gründe – wenig überraschend – Betreuungspflichten. Wenn Frauen unfreiwillig Teilzeit arbeiten, dann liegt das ausschließlich an den Rahmenbedingungen – vor allem an fehlenden Einrichtungen für Betreuung und Pflege.
Und oft bieten Betriebe Vollzeit gar nicht an, obwohl die Frauen weit mehr als die vereinbarte Zeit arbeiten. Im Handel zum Beispiel ist man für 30 Stunden angemeldet, arbeitet regelmäßig bis zu 42 Stunden – und bekommt für die Mehrarbeit keinen Cent. Der Betrieb schickt die Kollegin einfach heim, wenn weniger zu tun ist. Das heißt: Frauen müssen Vollzeit verfügbar sein – bei einem Teilzeiteinkommen oft ohne einen Euro Zuschlag. Das ist ein Geschäftsmodell auf Kosten der Frauen, ihrer Einkommen und ihrer Planungssicherheit im Alltag.
Teilzeitarbeit ist echte Arbeit! Egal, welche Arbeitszeit: Die Beschäftigten des Landes verdienen vollen Respekt – und zwar mit fairen Einkommen und gesunden Arbeitsbedingungen.
Renate Anderl ist Präsidentin der AK Wien und der Bundesarbeitskammer.