Mandat im Aufsichtsrag © CL-Medien - stock.adobe.com


Weitblick

Betriebsratsmitglieder im Aufsichtsrat: 
Mandat mit Mehrwert

Eine neue Studie ergründet Betriebs­rats­mitglieder im Aufsichtsrat – und zeigt die positiven Effekte der Arbeit im Gremium auf die betriebliche Mitbestimmung.

Andreas  Rauschal
29.08.2025

In Kapital­gesellschaften sind Aufsichtsrats­gremien dazu da, die Geschäfts­führung oder den Vorstand zu kontrollieren. Und Betriebsrats­mitglieder haben dabei ein gewichtiges Wort mitzureden – auch wenn sie formal in der Minderheit sind: In Österreich wird auf zwei Kapital­vertreter:innen üblicherweise je eine Person aus der Arbeitnehmer­vertretung in den Aufsichts­rat entsendet. Alle gemeinsam verbindet ein hohes Maß an Verantwortung – denn Aufsichtsrats­mitglieder haften für die ordnungs­gemäße Erfüllung ihrer Aufgaben persönlich.

Besonders erfahrene Betriebsratsmitglieder im Aufsichtsrat

So weit, so bekannt. Doch wer genau sind die Betriebsrats­mitglieder im Aufsichtsrat, wie unterscheiden sie sich von ihren Kolleg:innen ohne Mandat – und welche Aus­wirkungen hat ihre Funktion auf die betriebliche Mitbestimmung? Das Institut für empirische Sozialforschung (IFES) hat im Auftrag der AK Wien Licht ins Dunkel gebracht: Die nun vorliegende Sonder­auswertung beruht auf der Studie „Betriebliche Mitbestimmung 2022“, für die 2.748 Betriebsratsmitglieder befragt wurden. 507 von ihnen – also 18 Prozent – gaben an, eine Funktion als Aufsichtsrats­mitglied auszuüben.

Wenig überraschend sind Betriebsrats­mitglieder in Aufsichtsräten meist besonders erfahren: 73 Prozent der Befragten sind Betriebsratsvorsitzende, 19 Prozent haben einen stellvertretenden Vorsitz inne und nur neun Prozent sind einfaches Mitglied. Außerdem sind Betriebsrats­mitglieder mit Aufsichtsrats­funktion mehrheitlich älter, häufiger freigestellt und bereits länger in ihrer Funktion aktiv als Kolleg:innen ohne Mandat.

In beiden Gruppen sind Frauen weiterhin unter­repräsentiert: Während 35 Prozent der befragten Betriebsrats­mitglieder ohne Aufsichtsratsfunktion weiblich sind, sind es unter den Betriebsrats­mitgliedern im Aufsichtsrat nur noch 28 Prozent. Denn auch hier ist der Anteil an Betriebsrats­vorsitzenden höher – und unter diesen finden sich bekanntlich besonders wenige Frauen.


Besser informiert

Mehrheitlich zeigt die Analyse aber positive Aspekte: So fällt etwa die Zufrieden­heit von Betriebsrats­mitgliedern im Aufsichtsrat mit dem eigenen Mitspracherecht im Vergleich insgesamt höher aus, vor allem aber bei Themen wie Nachhaltigkeit, Datenschutz oder Homeoffice – also nicht nur bei Themen, die im Aufsichtsrat abgestimmt werden, sondern darüber hinaus. Und was die Möglich­keiten erfolgreicher Mitbestimmung in erster Linie stärkt: Im Aufsichtsrat vertretene Betriebsrats­mitglieder haben seltener Probleme beim Zugang zu Informationen. Ein Plus mehr für die Teilhabe – und in direkter Folge für die Beschäftigten selbst. 


webtipp

Tipp Symbolbild © AK Wien

IFAM

Das Institut für Aufsichtsrat-Mitbestimmung (IFAM) wird von der Arbeiter­kammer und dem ÖGB betrieben und unterstützt Arbeit­nehmer­vertreter:in­nen im Aufsichts­rat bei ihrer Tätigkeit

Weitere Artikel

Neue Betriebsratsmitglieder, Fernrohr © beast01 - stock.adobe.com
Weitblick
Neue Betriebs­rats­mit­glieder: Wer kand­idiert – und warum (nicht)?
Derzeit ist es nicht ein­fach, neue Betriebs­rats­mit­glieder zu gewinnen. Worauf es beim Recruiting an­kommt und wie man Beden­ken nimmt.
Imagebild Praktikum © nicoletaionescu-stock.adobe.com
Berufseinstieg
Praktikum: Berufseinstieg mit Hindernissen
Praktika sollen jungen Menschen erste Einblicke in den Berufs­alltag geben, oft lernen sie dabei die Schatten­seiten der Erwerbs­tätigkeit kennen.