Der Klimawandel verändert die Arbeitswelt. Dabei stellt sich nicht nur die Frage nach neuen Berufsbildern und der Zukunft von Branchen, sondern auch um Veränderungen innerhalb von Betrieben. Wie verändert der Klimawandel schon jetzt die Arbeit? Welche Mitgestaltungsmöglichkeiten haben Betriebsrät:innen? Und gibt es schon Beispiele, von denen wir lernen können? Darüber haben wir mit Monika Brom, Betriebsratsvorsitzende des Umweltbundesamts, und Wolfgang Untersperger, Arbeiterbetriebsrat bei Rosenbauer, gesprochen.
Monika Brom: Als Expert:innen-lnstitution für Umwelt in Österreich und Europa steht das Umweltbundesamt für den Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft zur Sicherung nachhaltiger Lebensbedingungen. Die Klimakrise ist also für uns ein dominantes Thema. Die entsprechenden Abteilungen wachsen ständig und auch wir brauchen immer mehr Klimaexpert:innen.
Wolfgang Untersperger: Rosenbauer ist der weltgrößte Feuerwehrausstatter. Wir haben weltweit 4.000 Mitarbeiter:innen, davon die Hälfte in Österreich. Nachdem Waldbrände zunehmen und der Grundwasserspiegel nicht stabil ist, betrifft uns das Klima-Thema stark. Im Fahrzeugbereich geht es in erster Linie darum, CO² zu vermeiden. Es geht aber auch um die ökologische Verträglichkeit von Löschmitteln und Schutzbekleidung.
Wolfgang Untersperger, Arbeiterbetriebsrat bei Rosenbauer
Monika Brom: Ich bin seit 2002 im Umweltbundesamt tätig und seit 2003 Betriebsrätin. Als ich 2002 ins Umweltbundesamt gekommen bin, sind mir als ehemalige Beraterin natürlich gleich einige Verbesserungspotentiale aufgefallen, wie etwa die ausstehende Aktualisierung des Abfallwirtschaftskonzepts. Also habe ich begonnen, mich betriebsintern zu engagieren und bin inzwischen Betriebsratsvorsitzende.
Wolfgang Untersperger: Ich bin seit 36 Jahren im Betrieb. Die ersten 20 Jahre habe ich gute Arbeitsbedingungen und eine anständige Entlohnung vorgefunden. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, Betriebsrat zu werden. Jetzt versuche ich die gute Arbeit meiner Vorgänger fortzusetzen und die Kolleg:innen zu unterstützen.
Monika Brom: Wir führen viele internationale Projekte durch, was leider auch negative Umweltauswirkungen mit sich bringt, weil damit auch eine gewisse Reisetätigkeit verbunden ist. Diese ließ sich vor Corona nicht vermeiden, weil bei EU-Projekten oft nur physische Treffen und keine Videokonferenzen akzeptiert wurden. Im Jahr der EU Präsidentschaft war die Reisetätigkeit besonders intensiv, da kamen an die 3,6 Millionen Personenflugkilometer zusammen. Das hat sich jetzt geändert und es gibt insgesamt weniger Reisetätigkeit. Dafür hat es aber mehr gebraucht als nur reine Überzeugungsarbeit, nämlich auch konkrete Maßnahmen und eben auch die Einführung eines Umweltmanagementsystems gemäß EMAS.
Wolfgang Untersperger: Wir arbeiten an allen Fronten. Für den urbanen Raum entwickeln wir Elektro- und Hybridlösungen, die werden in Berlin schon erfolgreich eingesetzt. Wir bieten auch refurbished statt neu, also generalüberholte Feuerwehrautos, etwa für die freiwillige Feuerwehr. Als Betriebsrat sind wir auch für den Schutz und die Sicherheit unserer Kolleg:innen mitverantwortlich. Außerdem haben wir im Betriebsratsgremium und unter den Mitarbeiter:innen einige freiwillige Feuerwehrleute, welche die tägliche Herausforderung bei der Brandbekämpfung sehr gut kennen und somit unsere besten „Testpilot:innen“ sind.
Monika Brom, Betriebsratsvorsitzende des Umweltbundesamts
Monika Brom: Hitze im Büro ist bei uns ein sehr großes Thema. Das Hauptgebäude, in dem wir eingemietet sind, ist sehr schlecht gedämmt und in einzelnen Büros hat es im Hochsommer auch schon mal an die 30 Grad. Da gab es dann schwierige Debatten, weil das einerseits für die Kolleg:innen nicht zumutbar ist, aber Klimaanlagen andererseits auch nicht klimafreundlich sind. Wir haben da aber sehr gute Lösungen gefunden: Einzelne Büros sind jetzt klimatisiert, wir haben Ventilatoren und die Arbeitszeit wird im Sommer flexibler gehandhabt. Es gab letzten Sommer eine quasi Aussetzung der Kernzeit und auch Homeoffice war nahezu „unbegrenzt“ möglich.
Wolfgang Untersperger: Hitze ist natürlich auch bei uns ein Thema. In der Fabrikshalle lässt sich mit Klimatisierung leider nicht viel machen, wir konnten aber die Belüftung verbessern und wir versuchen im Sommer die Arbeitszeit anders zu gestalten. Das allerdings erweist sich in den Bereichen mit einem Zwei-Schichtmodell als beinahe unlösbar. Wir haben bessere Parkplätze für Fahrgemeinschaften definiert und eine Mitfahr-App mit Mitarbeiter:innen-Benefit. Für unsere Zwei-Rad-Enthusiasten haben wir gesicherte Abstell- und Ladeplätze für E-Bikes und herkömmliche Fahrräder geschaffen. Im Werksverkehr fährt bei uns seit einigen Jahren ein E-Shuttlebus, der von der hauseigenen PV-Anlage gespeist wird. Wir versuchen natürlich, die Ideen und Bedürfnisse unserer Kolleg:innen so gut wie möglich beim Vorstand und dem Aufsichtsrat zu deponieren.
Monika Brom: Mein Ratschlag: Unbedingt an den betriebsinternen Prozessen teilnehmen, falls es ein Umweltteam gibt, sollte der Betriebsrat natürlich vertreten sein. Da betrieblicher Umweltschutz zugleich auch fast immer Arbeitnehmer:innenschutz ist, sollte Klimawandelanpassung auch Betriebsratsthema sein.
Wolfgang Untersperger: Als erstes sollten sie die Belegschaft mit ins Boot holen und deren Wünsche und Probleme kennen, um gemeinsam mit den Kolleg:innen Lösungen zu suchen und diese dann gut zu verhandeln. Und keine Sorge, die besten Lösungen kommen meistens von den Menschen, die es am meisten betrifft.