Die Zahlen des aktuellen Wiedereinstiegsmonitorings der L & R Sozialforschung im Auftrag der Arbeiterkammer sind so klar wie ernüchternd: Nicht einmal jeder fünfte Vater geht in Österreich in Karenz, lediglich 15,3 Prozent nehmen ihren Papamonat in Anspruch – und überhaupt nur ein Prozent unterbricht die Erwerbstätigkeit für mehr als sechs Monate, um sich dem Nachwuchs zu widmen.
Was bleibt, ist zumeist nur eine kürzere Pause mit saisonalem Stempel – ein verlängerter Sommerurlaub, an dessen Ende die Rückkehr zur traditionellen Rollenverteilung steht.
Dabei hat eine höhere Väterbeteiligung viele Vorteile, wie Veronika Adensamer, Expertin aus der Abteilung Frauen und Gleichstellungspolitik der Arbeiterkammer Wien, weiß: „Väter, die länger zu Hause bleiben, entwickeln eine stärkere Bindung zu ihrem Kind. Sie unterstützen aber auch ihre Partner:innen beim Wiedereinstieg und tragen so nicht nur zu einer gleichberechtigteren Beziehung, sondern auch zu einer langfristig stabileren ökonomischen Absicherung der Familie bei. Außerdem erwerben sie durch das Management von Familie und Haushalt Skills, die sie danach im Beruf einbringen können.“
„Für Unternehmen kann Väterbeteiligung ein Wirtschaftsvorteil sein. Wenn potenzielle Beschäftigte wissen, in diesem Betrieb wird Gleichstellung gelebt, macht das den Arbeitgeber attraktiv.“
Veronika Adensamer, AK Wien
Klischeebilder von Karrieremännern auf dem Gipfel ihres Erfolgs sind nicht nur aus Film und Fern sehen bekannt – Väter in Karenz hingegen selten als männliche Vorbilder für Sorgearbeit dargestellt. Für Adensamer ein Fehler, denn: „Für Unternehmen kann eine höhere Väterbeteiligung auch ein Wirtschaftsvorteil sein. Wenn potenzielle Beschäftigte wissen, in diesem Betrieb wird Gleichstellung gelebt, macht das den Arbeitgeber ja auch attraktiv. Außerdem kann man auf diesem Gebiet noch eine Vorreiterrolle einnehmen, was zu einem weiteren Imagegewinn führt“, so die Expertin.
Adensamer nimmt damit auch eine Forderung der AK nach einer Imagekampagne für mehr Väterbeteiligung vorweg. Die bisher letzte dieser Art – damals zum Thema „Halbe-Halbe“ – liegt bereits 30 Jahre zurück.
So vielfältig weitere zentrale Forderungen der AK sind – darunter der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem 1. Geburtstag des Kindes und ein höherer reservierter Mindestanteil des Kinderbetreuungsgeldes für Väter bei partnerschaftlicher Teilung der Karenz –, so vielfältig sind auch die Gründe dafür, warum beim Engagement der Väter viel Luft nach oben besteht. Adensamer erwähnt Rollenbilder, finanzielle Aspekte oder die Angst vor Konsequenzen am Arbeitsplatz. Oft mangelt es aber auch ganz einfach an Wissen.
„In erster Linie ist es wichtig, dass Beschäftigte ihre Rechte kennen. Denn nur, wenn ich weiß, welche Rechte ich habe, kann ich sie auch einfordern.“ Betriebsratsmitglieder können dies bezüglich sensibilisieren, auf die Unternehmenskultur einwirken und selbst mit Informationen zur Verfügung stehen (siehe Infobox).
Im EU-Vergleich ist der Gender Pay-Gap in Österreich besonders gravierend. Wie sieht es hier mit Auswirkungen aus? Adensamer: „Die Einkommenshöhe ist für die Väterbeteiligung grundsätzlich ein Thema, und solange Männer mehr verdienen, wird das ökonomische Argument natürlich gerne gebracht.“
„Internationale Vergleiche zeigen, dass sich die Väterbeteiligung erhöht, wenn es eine Verpflichtung bzw. einen Rechtsanspruch gibt, ein verpflichtender Zeitraum an der Elternkarenz für den Papa reserviert ist, der Einkommensersatz hoch ist und es zudem ausreichend leistbare Kinderbetreuung gibt. Hier müssen wir ansetzen.“
Renate Anderl, AK-Präsidentin
Die Expertin verweist darauf, dass es stärkere Anreize, auch finanzieller Natur, braucht – denn diese funktionieren nachweislich. So wurde etwa mit der Abschaffung der Anrechnung des Familienzeitbonus auf den Kinderbetreuungsgeldbezug per Jän ner 2023 eine langjährige AK Forderung umgesetzt. Seither hat sich die Anzahl an Vätern, die in Papamonat und in Karenz gehen, fast verdoppelt – „wenngleich auf nach wie vor zu niedrigem Niveau“, wie Adensamer ergänzt.
Für Anreize argumentiert auch AK Präsidentin Renate Anderl: „Internationale Vergleiche zeigen, dass sich die Väterbeteiligung erhöht, wenn es eine Verpflichtung bzw. einen Rechtsanspruch gibt, ein verpflichtender Zeitraum an der Elternkarenz für den Papa reserviert ist, der Einkommensersatz hoch ist und es zudem ausreichend leistbare Kinderbetreuung gibt. Hier müssen wir ansetzen.“
In Skandinavien etwa ist die Karenz stark paritätisch angelegt. Das heißt: Der Anteil an Karenzzeiten (und -geldern), der nur Vätern zusteht, ist höher. Geht der Vater nicht in Karenz, verfallen die Ansprüche.
Dass immer mehr Frauen nach der Geburt eines Kindes wieder in den Job zurückkehren, ist die gute Nachricht des Wiedereinstiegsmonitorings. Für positive Entwicklungen in der Väterbeteiligung ist jetzt auch die Politik gefragt, so Adensamer – die Müttern und Vätern rät, Elternteilzeit gleichzeitig in Anspruch zu nehmen, und interessenpolitisch an die Vorteile einer generellen Arbeitszeitverkürzung erinnert.