Baby hält Vaters Hand zum Thema Väterkarenz © lagom – stock.adobe.com


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Väter in Karenz: Dringend gebraucht – doch noch immer gesucht

Aktuelle Zahlen der Arbeiterkammer belegen: Österreich hat bei der Väterbeteiligung Nachholbedarf. Anreize könnten das ändern – familien­freundlichere Unternehmens­kulturen ebenfalls.

Andreas  Rauschal
24.08.2026
in diesem Artikel



    in aller kürze

    Väterkarenz

    • Väter in Karenz sind in Österreich die Ausnahme: Nur jeder 5. Vater geht in Karenz.

    • Höhere Väterbeteiligung hat Vorteile: stärkere Bindung zum Kind, Förderung einer gleichberechtigten Beziehung und stabile ökonomische Absicherung der Familie

    • Anreize können die Väterbeteiligung erhöhen: Finanzielle Vorteile, Rechtsanspruch bzw. Verpflichtung, leistbare Kinderbetreuung

    • Betriebsratsmitglieder können in Bezug auf Rechte informieren und sensibilisieren sowie auf die Unternehmenskultur einwirken.

    Die Zahlen des aktuellen Wieder­einstiegs­monitorings der L & R Sozialforschung im Auftrag der Arbeiterkammer sind so klar wie ernüchternd: Nicht einmal jeder fünfte Vater geht in Österreich in Karenz, lediglich 15,3 Prozent nehmen ihren Papamonat in Anspruch – und überhaupt nur ein Prozent unterbricht die Erwerbstätigkeit für mehr als sechs Monate, um sich dem Nachwuchs zu widmen.

    Was bleibt, ist zumeist nur eine kürzere Pause mit saisonalem Stempel – ein verlängerter Sommerurlaub, an dessen Ende die Rückkehr zur traditionellen Rollenverteilung steht.

    Welche Vorteile bringt eine höhere Väter­beteiligung? 

    Dabei hat eine höhere Väterbeteiligung viele Vorteile, wie Veronika Adensamer, Expertin aus der Abteilung Frauen und Gleichstellungs­politik der Arbeiterkammer Wien, weiß: „Väter, die länger zu Hause bleiben, entwickeln eine stärkere Bindung zu ihrem Kind. Sie unterstützen aber auch ihre Partner:innen beim Wiedereinstieg und tragen so nicht nur zu einer gleich­berechtig­teren Beziehung, sondern auch zu einer langfristig stabileren ökonomischen Absicherung der Familie bei. Außerdem erwerben sie durch das Management von Familie und Haushalt Skills, die sie danach im Beruf einbringen können.“


    Veronika Adensamer, Referentin in der Abteilung Frauen und Gleichstellungspolitik, AK Wien © Lisi Specht
    Veronika Adensamer, Referentin in der Abteilung Frauen und Gleichstellungspolitik, AK Wien © Lisi Specht

    Für Unter­nehmen kann Väter­be­tei­li­gung ein Wirt­schafts­vor­teil sein. Wenn po­ten­zielle Be­schäf­tig­te wissen, in die­sem Be­trieb wird Gleich­stellung ge­lebt, macht das den Ar­beit­ge­ber attrak­tiv.


    Veronika Adensamer, AK Wien

    Klischeebilder von Karriere­männern auf dem Gipfel ihres Erfolgs sind nicht nur aus Film und Fern sehen bekannt – Väter in Karenz hingegen selten als männliche Vorbilder für Sorgearbeit dargestellt. Für Adensamer ein Fehler, denn: „Für Unternehmen kann eine höhere Väter­beteiligung auch ein Wirtschafts­vorteil sein. Wenn potenzielle Beschäftigte wissen, in diesem Betrieb wird Gleichstellung gelebt, macht das den Arbeitgeber ja auch attraktiv. Außerdem kann man auf diesem Gebiet noch eine Vorreiter­rolle einnehmen, was zu einem weiteren Imagegewinn führt“, so die Expertin.


    Was fordert die AK in puncto Väterkarenz?

    Adensamer nimmt damit auch eine Forderung der AK nach einer Imagekampagne für mehr Väter­beteiligung vorweg. Die bisher letzte dieser Art – damals zum Thema „Halbe-Halbe“ – liegt bereits 30 Jahre zurück.

    So vielfältig weitere zentrale Forderungen der AK sind – darunter der Rechts­anspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem 1. Geburtstag des Kindes und ein höherer reservierter Mindestanteil des Kinder­betreuungs­geldes für Väter bei partner­schaftlicher Teilung der Karenz –, so vielfältig sind auch die Gründe dafür, warum beim Engagement der Väter viel Luft nach oben besteht. Adensamer erwähnt Rollenbilder, finanzielle Aspekte oder die Angst vor Konsequenzen am Arbeitsplatz. Oft mangelt es aber auch ganz einfach an Wissen.

    Was kann der Betriebsrat tun?

    „In erster Linie ist es wichtig, dass Beschäftigte ihre Rechte kennen. Denn nur, wenn ich weiß, welche Rechte ich habe, kann ich sie auch einfordern.“ Betriebsratsmitglieder können dies bezüglich sensibilisieren, auf die Unter­nehmens­kultur einwirken und selbst mit Informationen zur Verfügung stehen (siehe Infobox). 

    Im EU-Vergleich ist der Gender Pay-Gap in Österreich besonders gravierend. Wie sieht es hier mit Auswirkungen aus? Adensamer: „Die Ein­kommens­höhe ist für die Väterbeteiligung grund­sätzlich ein Thema, und solange Männer mehr verdienen, wird das ökonomische Argument natürlich gerne gebracht.“


    Reante Anderl, AK Wien © Sebastian Philipp
    AK-Präsidentin Renate Anderl © Sebastian Philipp

    Inter­na­tionale Ver­gleiche zei­gen, dass sich die Vä­ter­be­tei­li­gung er­höht, wenn es eine Ver­pflich­tung bzw. einen Rechts­an­spruch gibt, ein ver­pflich­ten­der Zeit­raum an der Eltern­karenz für den Papa re­ser­viert ist, der Ein­kommens­­er­satz hoch ist und es zudem aus­rei­chend leist­bare Kin­der­be­treu­ung gibt. Hier müs­sen wir an­setzen.


    Renate Anderl, AK-Präsidentin

    Die Expertin verweist darauf, dass es stärkere Anreize, auch finanzieller Natur, braucht – denn diese funktionieren nachweislich. So wurde etwa mit der Abschaffung der Anrechnung des Familien­zeit­bonus auf den Kinder­betreuungs­geldbezug per Jän ner 2023 eine langjährige AK Forderung umgesetzt. Seither hat sich die Anzahl an Vätern, die in Papamonat und in Karenz gehen, fast verdoppelt – „wenngleich auf nach wie vor zu niedrigem Niveau“, wie Adensamer ergänzt. 

    Wie kann man die Väterbeteiligung erhöhen?

    Für Anreize argumentiert auch AK Präsidentin Renate Anderl: „Inter­nationale Vergleiche zeigen, dass sich die Väter­beteiligung erhöht, wenn es eine Verpflichtung bzw. einen Rechts­anspruch gibt, ein verpflichtender Zeitraum an der Eltern­karenz für den Papa reserviert ist, der Einkommens­ersatz hoch ist und es zudem ausreichend leistbare Kinder­betreuung gibt. Hier müssen wir ansetzen.“ 

    In Skandinavien etwa ist die Karenz stark paritätisch angelegt. Das heißt: Der Anteil an Karenz­zeiten (und -geldern), der nur Vätern zusteht, ist höher. Geht der Vater nicht in Karenz, verfallen die Ansprüche.

    Dass immer mehr Frauen nach der Geburt eines Kindes wieder in den Job zurück­kehren, ist die gute Nachricht des Wieder­einstiegs­monitorings. Für positive Entwicklungen in der Väter­beteiligung ist jetzt auch die Politik gefragt, so Adensamer – die Müttern und Vätern rät, Elternteilzeit gleichzeitig in Anspruch zu nehmen, und interessen­politisch an die Vorteile einer generellen Arbeitszeit­verkürzung erinnert.

    gut zu wissen

    Wie kann der Betriebsrat in Sachen Väterkarenz helfen?


    1. Zuhören: Welche Bedürfnisse und Sorgen gibt es? Wo sind die Beschäftigten informiert, wo nicht? 

    2. Informieren: Welche Rechte und Ansprüche haben Beschäftigte? Wie sieht es mit Fristen aus?

    3. Vermitteln: Bei Unstimmig­keiten mit der Geschäfts­führung, bei Problemen innerhalb der Belegschaft sowie im Fall von Diskriminierung kann die Belegschafts­vertretung schützend auftreten – und Schritte einleiten. 

    4. Sensibilisieren: Väterbeteiligung benötigt auch im Jahr 2026 noch Überzeugungs­arbeit. Betriebsrats­mitglieder können Bewusstsein schaffen! 

    5. Einwirken: Der Betriebsrat hat Mit­bestimmungs­rechte: Familien­freundliche und planbare Arbeitszeiten helfen ebenso wie ein Betriebs­kindergarten. 

    6. Vorbild sein: Jede Erfolgs­geschichte stärkt das Image des Betriebes – und die Loyalität der Beschäftigten.