Bereits 86,4 Prozent der Erwerbstätigen in Österreich sind einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Umso wichtiger ist eine starke Arbeitsinspektion – sie prüft die Einhaltung von Gesetzen zum Arbeitnehmer:innenschutz und zur Arbeitssicherheit und berät Arbeitgeber und Beschäftigte gleichermaßen. Auch bei der Untersuchung von Arbeitsunfällen kommt sie zum Einsatz – um daraus Lehren zu ziehen und vergleichbare Vorfälle in Zukunft auszuschließen.
Für Betriebsräte ist die Arbeitsinspektion eine wichtige Partnerin: Gemeinsam sorgen beide Akteure für die Überwachung des Arbeitnehmer:innenschutzes, wobei Betriebsräten das Recht zukommt, die Arbeitsinspektion zur Hilfe zu holen – sei es für das Bereitstellen von Informationen oder benötigte Kontrollen vor Ort im Betrieb.
Die Arbeiterkammer fordert nun mehr Ressourcen für die Arbeitsinspektion und weitere Kontrollbehörden, deren Kernaufgabe der Schutz der Beschäftigten ist. Aktuelle Zahlen zeigen, warum: So informiert die AUVA etwa über einen Anstieg der anerkannten Arbeitsunfälle durch Gewalt. Waren im Jahr 2020 in Österreich noch 973 Fälle zu verzeichnen, so waren es im Jahr 2025 bereits 1.752 – 1.056 davon betrafen Frauen. Doch auch gegen klassische Unfallgefahren bleibt die Arbeitsinspektion das wichtigste Instrument.
Eine Studie der deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und ein Vergleich von 24 europäischen Ländern belegen, dass gezielte Kontrollen in Kombination mit Strafen die Unfallgefahr merklich reduzieren: Zehn Prozent mehr Inspektionen bedeuten fast zwei Prozent weniger Unfälle.
„Wir brauchen mehr Personal für Kontrollen und deutlich schärfere Strafen für jene, die Schutzvorschriften unterlaufen und rechtmäßige Löhne vorenthalten.“
Ines Stilling, AK Expertin
Finanzpolizei und Krankenkassen wiederum sind gefragt, wenn es um die Bekämpfung von Lohn- und Sozialdumping geht. Derzeit kosten 45,9 Millionen nicht abgegoltene Überstunden die Beschäftigten 2,5 Milliarden Euro pro Jahr – dem Staat entgehen dabei Abgaben in Höhe von 1,23 Milliarden Euro: ein Lose-lose-Szenario für die Vielen.
Für eine starke Belegschaftsvertretung sind Kontrollbehörden mit Ressourcen zentrale Verbündete. In Zeiten des drohenden Rotstifts fasst Ines Stilling, Bereichsleiterin Soziales der AK Wien, die Forderungen der Arbeiterkammer zusammen – und warnt:
„Wer bei der Arbeitsinspektion und den Lohnkontrollen spart, nimmt Arbeitsunfälle, arbeitsbedingte Erkrankungen und die damit einhergehenden Kosten billigend in Kauf. Eine Aufweichung von Schutzgesetzen und Einsparungen bei Kontrollbehörden dürfen daher nicht zur Diskussion stehen. Wir brauchen mehr Personal für Kontrollen und deutlich schärfere Strafen für jene, die Schutzvorschriften unterlaufen und rechtmäßige Löhne vorenthalten.“