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Geteilte Dienste sind eine Arbeitszeitform, die vielen unbekannt ist – dabei ist sie weitverbreitet. Besonders häufig kommt sie in der Reinigungsbranche und in der mobilen Pflege vor. Der Arbeitstag wird dabei in zwei Schichten geteilt – etwa von 6 bis 9 Uhr und später noch einmal von 17 bis 20 Uhr. Die Stunden dazwischen klingen nach Freizeit – sie sind es aber nicht.
Vor allem für Frauen in der Reinigung oder mobilen Pflege sind geteilte Dienste eine enorme Belastung: Sie fahren in der dienstfreien Zeit nach Hause, erledigen Einkäufe, kochen für die Familie oder organisieren die Kinderbetreuung, damit der Alltag funktioniert. Wer früh beginnt und abends lange arbeitet, sieht dabei die eigenen Kinder unter der Woche kaum. Dazu kommen wenig Schlaf und gesundheitliche Belastungen. Es bleibt kaum Zeit zum Durch schnaufen.
*Zitat aus: Sardadvar, Karin (2024): „Eine Uhr überall in der Wohnung“: Fragmentierte Arbeitszeiten und Zeitarmut: Geteilte Dienste und ihre Folgen für das Leben von Reinigungs- und Pflegekräften in Österreich. Kurswechsel, 24 (4), S. 66–80.
„In der Pause gehe ich zuerst einkaufen, dann nach Hause und dann mache ich Abendessen. Die zwei Stunden sind schon weg.“
Frau E., Büroreinigerin*
Weil die Arbeit in der Reinigung möglichst unsichtbar bleiben soll, wird häufig dann gereinigt, wenn sonst niemand im Gebäude ist. Reinigungskräfte arbeiten deshalb oft allein und außerhalb der regulären Betriebszeiten. „Der Wunsch nach möglichst unsichtbarer Reinigung spielt hier eine große Rolle“, sagt Amela Cetin, Expertin der AK Wien. „Dabei sorgt ausgerechnet diese Arbeit dafür, dass Büros, Schulen oder Krankenhäuser funktionieren und wir täglich saubere Arbeitsplätze vorfinden.“
Eine Alternative in der Reinigung ist die Tagreinigung, die in nördlichen Ländern verbreitet ist. Reinigungskräfte arbeiten zu üblichen Betriebszeiten und werden stärker als Teil des Teams wahrgenommen. Für Beschäftigte in der mobilen Pflege sieht in Österreich der Kollektivvertrag der Sozialwirtschaft (SWÖ-KV) Regelungen für geteilte Dienste und finanzielle Verbesserungen vor.
Betriebsräte und Gewerkschaften sind wichtige Verbündete im Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen, denn geteilte Dienste belasten Beschäftigte, vor allem in Reinigung und Pflege. Gute Arbeitsbedingungen und gute Dienstleistungen sind kein Widerspruch.
Wenn Unsichtbarkeit sichtbar wird
Der Kinofilm „Ich verstehe Ihren Unmut“ (2026) des deutschen Regisseurs Kilian Armando Friedrich macht sichtbar, was im Arbeitsalltag von Reinigungskräften oft verborgen bleibt.
Das Sozialdrama begleitet eine Objektleiterin, die zwischen Kund:innen, Unternehmen und Reinigungspersonal vermittelt, und zeigt die Belastungen einer Branche, in der Zeitdruck, Outsourcing und geteilte Dienste zum Alltag gehören.
Er verdeutlicht, wie sehr eine funktionierende Gesellschaft von Menschen abhängt, deren Arbeit oft im Verborgenen stattfindet.