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Kolumne Draufgeschaut

Demokratie:
Wie jede Stimme (gleich viel) zählt

Demokratie lebt nicht von Idealen allein – ohne soziale Sicherheit und Ver trauen in die eigene Gestaltungs­macht verliert sie ihre ganze Kraft. Ein Kommentar von Oliver Piller, AK Wien.

Oliver Piller
11.09.2026

 

Oliver Piller, AK Wien © Christian Heiling, Jakob Fielhauer
Oliver Piller, AK Wien © Christian Heiling, Jakob Fielhauer

Demokratie, so lernen wir es in der Schule, ist etwas, das sich in der Geschichte durchgesetzt hat. Die beste Staatsform – da gibt es kein Zurück mehr. Doch unsere Demokratie funktioniert nicht von allein. Sie braucht soziale Sicherheit als Basis und das Versprechen, das Leben aller zu verbessern. Was wir allerdings aktuell erleben, ist die Angst vor dem Abstieg vieler und die extreme Vermögens­konzen­tration bei wenigen. 

Zuversicht hängt von der so­zialen Klasse ab

Wieder einmal in den Schlagzeilen: Elon Musk, der erste Billionär der Welt. Er verkörpert wie kaum ein anderer, wie sehr wirtschaftliche Macht mittler­weile konzentriert ist und dadurch die Politik beeinflusst wird. Während einige über Reichtum verfügen, der die Ressourcen ganzer Staaten in den Schatten stellt, kämpfen andere um grundlegende Teilhabe.

Dass die materielle Absicherung entscheidend für den Glauben an die Demokratie ist, unterstreicht auch der AK Jugend­monitor 2026: Die Zuversicht junger Menschen in Sachen Zukunft hängt stark von ihrer sozialen Klasse ab. Wer sich um die eigene Existenz sorgen muss, hat kaum Kraft, sich für gemeinsame Werte einzusetzen.

Demokratie lebt nicht von abstrakten Idealen, sondern von konkreten Lebens­bedingungen. Wenn immer mehr Menschen das Gefühl haben, dass ihre Stimme nicht zählt, sei es wegen prekärer Arbeits­verhältnisse oder fehlender Mit­bestimmung, dann verliert das System an Strahlkraft.

Die Ungleichheit untergräbt nicht nur den sozialen Frieden, sondern auch das Vertrauen in die persönliche Gestaltungs­macht. Doch die Demokratie hat die Aufgabe, ihr Versprechen einzulösen: dass alle Stimmen gleich viel zählen – und nicht manche durch ihr Vermögen mehr Gewicht erhalten. Diese Gleichheit beginnt im Kleinen. Genau hier ist auch die Belegschafts­vertretung gefordert.

Demokratie in der Betriebs­rats­arbeit

Als Betriebsrats­mitglieder könnt ihr im Kleinen vorleben, was die Demokratie im Großen braucht: die Einbindung aller. Besonders Kolleg:innen ohne österreichische Staats­bürgerschaft dürfen nicht vergessen werden, denn sie haben sonst kaum Möglich­keiten, mitzubestimmen.

Selbst­ermächtigung entsteht nur, wenn jede:r eine Stimme hat und sie auch nutzen darf. Also: Redet mit allen, hört zu und schafft Räume, in denen Mit­gestaltung kein Privileg ist – sondern gelebte Normalität.