Tabletten neben Laptop, Thema Suchtprävention © vichie81 – Magific


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Suchtprävention beginnt im Betrieb   

Alkohol, Medikamente oder andere Süchte können Sicherheit, Gesundheit und Zusammenarbeit gefährden. Wie können Betriebsrats­mitglieder richtig reagieren?

Christine Newald
19.06.2026



in aller kürze

Sucht im Betrieb

  • Jede fünfte Person in Österreich ist von problematischem Alkoholkonsum betroffen – Sucht ist kein Randthema im Betrieb..

  • Sobald Konsum die Arbeitssicherheit oder Leistungsfähigkeit berührt, wird er zur betrieblichen Angelegenheit, das gilt auch für Medikamente, Glücksspiel und andere Suchtformen.

  • Prävention beginnt im Alltag: Unternehmen­skultur, Stufenpläne und die Muster­betriebs­vereinbarung der GPA bieten Betriebs­rät:innen konkrete Handlungs­werkzeuge.

Ein Kollege wirkt plötzlich verändert, eine Mitarbeiterin macht ungewöhnliche Fehler: Sucht­verhalten im Arbeits­alltag ist oft schwer greifbar, aber folgenreich. Für Betriebsräte ist es wichtig, Handlungs­optionen zu haben, denn Sucht im Job ist kein Randthema.

Die aktuelle Drogen­statistik zeigt: Fünf Prozent der Erwachsenen in Österreich sind alkohol­abhängig, weitere 15 Prozent konsumieren so viel Alkohol, dass es gesundheitsschädlich ist. Das heißt: Jede fünfte Person ist betroffen. Auch Medikamente, Glücksspiel, leistungs­steigernde Substanzen oder exzessive Smartphone-Nutzung gewinnen an Bedeutung.


Isabell Koberwein, Grundlagenabteilung der Gewerkschaft GPA © Markus Zahradnik
Isabel Koberwein, GPA © Markus Zahradnik

„Auch wenn Konsum grund­sätz­lich Privat­sache ist: Sobald er die Arbeits­sicher­heit oder die Leistungs­fähig­keit betrifft, wird er zum Thema im Betrieb.


Isabel Koberwein, Expertin für Arbeit­neh­mer:in­nen­schutz der GPA

Sucht am Arbeitsplatz ansprechen

Sucht ist im Kleinen sichtbar, kann bis zu erhöhter Unfall­gefahr und Gewalt am Arbeits­platz führen – und dennoch wird oft weggeschaut. Nach dem Betriebsfest ist es vielleicht noch okay, wenn der:die Kolleg:in am nächsten Morgen nicht ganz frisch wirkt. Doch was, wenn Betriebsfeste und privater Konsum zusammen­kommen? 

Es kann aber auch sein, dass eine Mitarbeiterin zunehmend erschöpft wirkt, sich kaum noch konzentrieren kann und sich zurückzieht. Kolleg:innen vermuten eine Depression oder Medikamenten­konsum. Darf ich das überhaupt ansprechen? „Auch wenn Konsum grund­sätzlich Privatsache ist: Sobald er die Arbeits­­sicherheit oder die Leistungs­fähigkeit betrifft, wird er zum Thema im Betrieb. Denn durch mein Verhalten gefährde ich mich selbst oder andere. Es können Fehler mit Maschinen, im Verkehr oder im Kund:innen­kontakt passieren“, so Isabel Koberwein, Expertin für Arbeit­nehmer:innen­schutz der GPA.


gut zu wissen

Suchtprävention

In allen Bundesländern unterstützen Fachstellen für Suchtprävention Betriebe bei Präventionsmaßnahmen und Stufenplänen.

In Wien etwa das Institut für Suchtprävention der Sucht- und Drogenkoordination Wien, mit dem die Gewerkschaft GPA auch eine Musterbetriebsvereinbarung entwickelt hat.

Ursachen für Sucht verstehen

Gründe dafür, dass Menschen süchtig werden – die Einnahme leistungs­steigernder Substanzen ist hier nur die Spitze des Eisbergs –, sind steigender Arbeitsdruck, psychische Belastungen sowie persönliche Krisen und Unsicherheiten. Suchtverhalten ist dabei oft eine Bewältigungs­strategie – aber eine mit Folgen.
 
In der Suchtprävention macht die Unter­nehmens­kultur den Unterschied. Hier kommen Fragen wie jene ins Spiel, ob Alkohol bei Betriebsfeiern selbstverständlich mitgedacht wird oder standard­mäßig Alternativen ohne Rechtfertigungs­druck angeboten werden; ob über Probleme geschwiegen wird oder diese offen angesprochen werden können. Prävention beginnt im Alltag und nicht erst, wenn ein Problemfall eintritt.

Faq

Sucht und Prävention

  • Darf ich als Betriebsrat:rätin Suchtverhalten ansprechen?
    Ja. Sobald Konsum die Arbeitssicherheit oder Leistungsfähigkeit einer Person berührt, verlässt er den rein privaten Bereich.  

  • Welche Suchtformen sind im Betrieb relevant?
    Neben Alkohol spielen Medikamente, Glücksspiel, leistungssteigernde Substanzen und exzessive Smartphone-Nutzung eine wachsende Rolle. 

  • Wer bietet Suchtprävention für Betriebe an?

    In ganz Österreich unterstützen Fachstellen bei Präventions­maßnahmen und Stufen­plänen, in Wien das Institut für Sucht­prävention der Sucht- und Drogen­koordination Wien.

  • Wie kann man Suchtprävention im Betrieb umsetzen?
    Z. B. mit einem Stufenplan. Er regelt verbindlich, wie der Betrieb bei Suchtverhalten vorgeht: von der ersten Ansprache bis zu arbeitsrechtlichen Schritten. Er schafft Klarheit für alle Beteiligten und schützt sowohl die betroffene Person als auch den Betrieb.