Sprechblasen in der Luft als Imagebild für Sprachbarrieren © vegefox - stock.adobe.com


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Viele Sprachen, ein Betrieb

Sprache verbindet – und kann zugleich zur Heraus­forderung werden. Wie prägen Sprach­barrieren den Arbeitsalltag und was können Betriebe dagegen tun?

Theresa Goisauf
21.10.2026
in diesem Artikel



    in aller kürze

    Sprachbarrieren abbauen

    • Mehr­sprachigkeit ist eine Ressource für Betriebe.

    • Alle Beschäftigten müssen Infor­mationen und Anweisungen verstehen – insbesondere, wenn es um Sicherheit geht. 

    • Sprach­förderung, mehrsprachige Unterlagen und ein Buddy­system helfen, Sprach­barrieren im Betrieb abzubauen.

    • Klare Spielregeln legen fest, wann eine gemeinsame Sprache nötig ist, damit sich niemand aus­geschlossen fühlt. Sie helfen, Konflikten vorzubeugen.

    Deutsch, Englisch, Bosnisch, Arabisch, Mandarin: Österreichs Betriebe sind längst mehr­sprachig. Das eröffnet Chancen, bringt aber auch Heraus­forderungen mit sich. Werden Arbeits­aufträge nicht richtig verstanden, kann aus einem Missverständnis schnell ein Sicher­heits­risiko werden.
     

    Mehrsprachigkeit als Ressource

    Beschäftigte übersetzen für Kolleg:innen, erklären komplexe Sach­verhalte oder schaffen durch ihre Sprach­kenntnisse Vertrauen zu Kund:innen. Dennoch wird Mehr­sprachig­keit in vielen Betrieben eher als Privatsache denn als Unter­nehmens­ressource wahr­genommen. Damit sie mehr als ein Schlagwort bleibt, muss sie im Betrieb sichtbar werden: Welche Sprachen werden gesprochen? Wo können sie eingesetzt werden? Und wie lässt sich diese zusätzliche Kompetenz anerkennen? 

    Für Rafi Ahmadi, Betriebsrat des Österreichischen Integrations­fonds (ÖIF), ist dabei ein Punkt besonders wichtig: Wer regelmäßig übersetzt oder Kolleg:innen in verschiedenen Sprachen berät, übernimmt eine zusätzliche Aufgabe. Diese sollte klar vereinbart und auch zeitlich eingeplant werden. „Als Betriebsrat setze ich mich dafür ein, dass Mehrsprachigkeit als zusätzliche Qualifikation anerkannt und angemessen entlohnt wird.“


    Oliver Gruber, AK Wien © Mirela Jasic
    Oliver Gruber, Experte in der Abteilung Lehrausbildung und Bildungspolitik der AK Wien © Mirela Jasic

    „Beson­ders wichtig wird Ver­stän­di­gung dort, wo Sicher­heit auf dem Spiel steht.“


    Oliver Gruber, AK Wien

    Sprach­barrieren: Sicherheit geht vor 

    „Besonders wichtig wird Ver­ständigung dort, wo Sicher­heit auf dem Spiel steht. Eine Betriebs­anweisung auszuteilen, reicht nicht aus – Unter nehmen müssen sicherstellen, dass die Beschäftigten sie auch verstehen“, erklärt Oliver Gruber, Experte aus der Abteilung Lehr­ausbildung und Bildungs­politik der AK Wien. 

    Gezielte Sprach­förderung und berufs­spezifische Kurse helfen gegen sprachliche Probleme am Arbeitsplatz. „An vielen Arbeits­plätzen kann fach­spezifisches Sprachwissen oder die Begleitung durch einen Buddy, der Dialekt­kommunikation vermittelt, wichtiger sein als ein formaler Sprachnachweis“, so Gruber.

    Mehr Sprachen, mehr Konflikte?

    Mehr­sprachigkeit kann auch soziale Barrieren schaffen. „Wenn sich Beschäftigte in einer Sprache unterhalten, die andere nicht verstehen, können Frustration, Ausschluss­empfinden und Konflikte entstehen“, betont Gruber. „Die Antwort sollte daher nicht lauten: ‚Ab jetzt nur noch Deutsch.‘ Vielmehr braucht es klare Spielregeln: Wann ist Mehr­sprachigkeit sinnvoll und wann braucht es eine gemeinsame Sprache, damit niemand aus­geschlossen wird?“

    Genau hier kann der Betriebsrat eine wichtige Rolle übernehmen – etwa indem er moderiert, bei Konflikten vermittelt oder gemeinsam mit dem Betrieb einen Verhaltens­kodex entwickelt.


    Rafi Ahmadi, Betriebsrat Österreichischer Integrationsfonds (ÖIF) © Rafi Ahmadi
    Rafi Ahmadi, Betriebsrat Österreichischer Integrationsfonds (ÖIF) © Rafi Ahmadi

    „Wich­tig ist, dass der Inte­gra­tions­gedanke auch intern gelebt wird.“


    Rafi Ahmadi, Rafi Ahmadi, Betriebs­rat ÖIF

    Kommunikation muss verständlich sein

    Auch die Kommunikation des Betriebsrats sollte möglichst verständlich sein. Neben klaren Texten und mehr­sprachigen Unterlagen braucht es vor allem die Möglich­keit, persönlich nach­zufragen. „Ich biete zusätzlich Gespräche an, damit Kolleg:innen vertraulich nachfragen und Fachbegriffe sowie zentrale Informationen noch einmal mit mir klären können. Bei komplexen rechtlichen Fragen verweise ich an die Gewerkschaft oder die AK“, erzählt Ahmadi.

    Betriebs­versammlungen bieten ebenfalls einen Rahmen, um Mehr­sprachigkeit sichtbar zu machen: Wenn Kolleg:innen in ihren Sprachen zu Wort kommen, signalisiert das Wert­schätzung und stärkt die Teilhabe. Auch KI-basierte Übersetzungs­tools könnten dabei künftig unterstützen, ist Gruber überzeugt.

    Sprache verbindet – wenn man sie lässt

    Oliver Gruber: „Aus Sicht der AK über wiegen die Vorteile von Mehr­sprachigkeit durchaus die Barrieren.“ Ganz vermeiden lassen sich Verständigungs­probleme allerdings nicht – auch Menschen, die dieselbe Sprache sprechen, können aneinander vorbeireden.

    Für Betriebs­rät:innen geht es vor allem darum, Mehr­sprachigkeit als Teil des Arbeitsalltags anzuerkennen, sprachliche Kompetenzen sichtbar zu machen und allen Beschäftigten Zugang zu Informationen zu ermöglichen. „Wichtig ist, dass der Integrations­gedanke auch intern gelebt wird und die Expertise der Kolleg:innen in betriebliche Ent­scheidungen einfließt“, ergänzt Betriebsrat Ahmadi.

    Die Frage ist deshalb nicht, ob ein Betrieb mehr sprachig ist, sondern wie er damit umgeht. Oder, wie Gruber sagt: „Sprache soll verbinden – nicht ausschließen.“

    broschürentipp

    Cover Auf den Punkt gebracht-Schreiben für die Gewerkschaftsarbeit © AK Österreich/VÖGB

    Auf den Punkt gebracht

    Der Ratgeber „Auf den Punkt gebracht. Schreiben für die Gewerk­schaftsarbeit“ (2026) gibt wichtige Hinweise für das Formulieren von Texten: Wie verfasse ich verständliche Infor­mationen für alle Kolleg:innen? Und wie kann KI dabei unter­stützen? Außerdem enthält der Ratgeber Tipps für eine klare Ausdrucks­weise in Protokollen, Briefen und E-Mails.