Betriebssport, Martin Molnar © Markus Zahradnik


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Betriebssport: Gemeinsam gewinnen, gemeinsam verlieren  

Sporteln mit den Kolleg:innen: Das stärkt den Zusammenhalt und die Betriebsräte. Die AK organisiert Betriebssport-Turniere von Padeltennis bis E-Sport.

Ute  Bösinger
20.04.2026



in aller kürze

Betriebssport

  • Betriebssport stärkt den Teamzusammenhalt und macht Betriebsrät:innen sichtbarer.

  • Neue Sportarten wie Padeltennis oder E-Sport erreichen auch jüngere Kolleg:innen.

  • Jeder fünfte Krankenstandstag geht auf Muskel- und Skeletterkrankungen zurück – Bewegung hilft.

  • Die AK Wien organisiert Turniere und berät Betriebsrät:innen kostenlos.

Auf geht’s!“ „Du!“ „Wand!“: Im Padeldome Süßenbrunn kämpfen an diesem Nachmittag neun Zweier-Teams lautstark um Punkt, Satz und Sieg oder Niederlage. Sie arbeiten alle bei der Hoerbiger Wien GmbH in der Seestadt, vom Ingenieur bis zum Team Instandhaltung.

Beim Padeltennis-Turnier des Betriebsrats sind sie alle gleich: Jeder will gewinnen oder so gut wie möglich mit seinem Team platziert werden. Martin Molnar, Vorsitzender des Arbeiter-Betriebsrats, organisiert solche Turniere seit vielen Jahren: „Dabeisein ist alles, auch wenn beim Sport auch ein bisschen Ehrgeiz dazukommt“, sagt er. 

„Früher sind die Leute nach der Arbeit miteinander ins Gasthaus gegangen. Das gibt es kaum noch. Aber gemeinsamer Sport kann für mehr Miteinander sorgen“, meint Molnar. Er schätzt, dass im Laufe eines Jahres etwa 100 der etwa 670 Beschäftigten im Betrieb beim Padeltennis, bei Fußball­turnieren, bei Tischtennis, beim Feuer­wehrlauf oder beim Eishockey dabei sind. Auch E-Sport-Turniere hat er schon organisiert und so auch viele jüngere Kolleg:innen erreicht. 

Betriebsrat Martin Molnar (vorne) mit Kollege Alexander Josef in Aktion © Markus Zahradnik
Betriebsrat Martin Molnar (vorne) mit Kollege Alexander Josef in Aktion © Markus Zahradnik

Neue Sportarten

Die Firma unterstützt einige Events. Der Betriebssport hat bei der Hoerbiger Wien GmbH Tradition. In den 1970er-Jahren kickte die Betriebs­mannschaft in den Wiener Fußballligen mit. Noch bis vor wenigen Jahren gab es ein regelmäßiges Hallenfuß­balltraining. „Mit Corona hat sich viel verändert“, sagt Molnar. „Danach hatten sich viele Mannschaften aufgelöst. Plötzlich gab es kaum noch Teams, gegen die wir antreten konnten.“  


Plus für die Betriebsratsarbeit

Molnar hat dann auf einzelne Turniere und auch auf neue Trendsport­arten wie Padeltennis oder E-Sport gesetzt. „Es war mir einfach wichtig: Diese Gelegenheit, gemeinsam etwas zu erleben, verändert auch die Betriebs­ratsarbeit. Wir lernen die Kolleginnen und Kollegen anders kennen. Und die erleben uns Betriebsrats­mitglieder anders, wenn man sich gemeinsam anstrengt, gemeinsam verliert oder gemeinsam gewinnt.

Mit Molnar am Platz Nummer 4 im Padeldome steht Alexander Josef. Er ist zum dritten Mal dabei. „Ich leite das Team Instand­haltung. Heute sind drei aus meinem Team mit dabei. Ich habe sie einfach gefragt, ob sie mitkommen. Das macht einfach Spaß“, sagt er. 

Diese Art von Mund­propaganda ist immer gut für Betriebs­sport-Events. Damit aber alle in der Firma erfahren, was angeboten wird, gibt Betriebsrat Martin Molnar die Veranstaltungen am Schwarzen Brett, per E-Mail, am Infoscreen in der Firma oder künftig bald auch per Betriebsrats-App bekannt. Seine Tipps: Im Betrieb fragen, was gewünscht wird. Wer eine Betriebs­sportart anbietet, sollte sich darin auskennen und möglichst selbst mitmachen. „Nur so lernt man die Leute gut kennen“, sagt Molnar. 


Amela Cetin, AK Wien © privat
Amela Cetin, AK Wien © privat

Betriebssport ist eine Möglichkeit für die Kolleg:innen, wieder mehr zusammen­zu­kommen.


Amela Cetin, Expertin für betrieb­liche Gesund­heits­förderung, AK Wien

Betriebssport sorgt für mehr Miteinander

Was Betriebssport bewirken kann, weiß auch Amela Cetin, Expertin für betriebliche Gesundheits­förderung der AK Wien. Im Arbeitsalltag bewegen sich die Menschen immer weniger und verharren oft in einseitigen Körper­haltungen. „Einseitige Bewegungen, nur sitzen, nur stehen oder viel über Kopf montieren: Jeder fünfte Kranken­standstag ist auf eine Erkrankung des Muskel- oder Skelett­apparates zurückzuführen. Ganz oben auf der Beschwerdeliste stehen Rücken­probleme“, sagt Cetin. Mehr Bewegung im Alltag kann da gegensteuern. Und Betriebs­sport kann dazu neue Möglich­keiten bieten und zu mehr Abwechslung führen.

„Wir brauchen auch ein Zurück zu mehr Miteinander“, ergänzt sie. Denn weil immer mehr Arbeit im Homeoffice geleistet wird, gibt es immer weniger Gelegenheiten, sich mit Kolleg:innen auszu­tauschen. Cetin: „Wir wissen aus Umfragen, dass den Menschen das Miteinander im Betrieb fehlt. Betriebssport kann eine gute Möglichkeit für die Kolleg:innen sein, wieder mehr zusammen­zukommen.“ 


Die Turniere der AK

Deshalb organisiert die Arbeiterkammer Wien Betriebssport-Turniere, von Padeltennis über Fußball bis E-Sport. Klaus Schmidtbauer von der AK Abteilung Service und Information: „Über den Betriebssport können sich Betriebsräte unter­einander vernetzen und gleichzeitig etwas für ihre Kolleg:innen tun.“

Beim letzten Fußballturnier der AK kamen 120 Betriebs­sportler:innen aus ganz Wien zusammen. „Da treffen sich Menschen aus verschiedenen Betrieben, die sich sonst selten oder nie über den Weg laufen. Im Idealfall ist ein Betriebssport-Turnier eine Vernetzungsbörse in lockerem Rahmen für die Kolleg:innen, die Betriebsrät: innen und die Gewerkschaften“, so Schmidtbauer. 

Vernetzung auf Sporttagen

Warum so eine Vernetzung von Betrieb zu Betrieb hilfreich ist, zeigt der für den 23. Oktober 2026 geplante Sporttag für Sehbehinderte. Schmidtbauer: „In den meisten Firmen gibt es nur einzelne Kolleg:innen mit einer Behinderung. An diesem Sporttag können sie sich gemeinsam mit anderen messen.“ 

Mindestens zwölf Betriebssport- Veranstaltungen hat die AK für heuer geplant. Ziemlich sicher ist, dass Martin Molnar und das Team Hoerbiger bei dem einen oder anderen Turnier mitmischen werden. 

gut zu wissen

Service-Tipp Betriebssport

Die AK Wien organisiert regelmäßig Turniere und Sporttage – vom Fußballturnier über Beach­volleyball bis hin zum Sporttag für Sehbehinderte – und lädt Betriebs­mannschaften ein, daran teilzunehmen. Alle Infos gibt es hier.

Betriebssport ist auch Teil der betrieblichen Gesundheits­förderung. Die AK berät Betriebsrät:innen, die sich mit betrieblicher Gesundheits­förderung für gesündere Arbeits­bedingungen engagieren wollen.

Anfragen einfach per Mail an amela.cetin@akwien.at