Leerer Tank als Image für hohe Spritpreise © Sangketkan Studios - stock.adobe.com


Inflation

Teurer Sprit: Was jetzt passieren muss

Die anhaltend hohen Sprit­preise treffen jene besonders hart, die nicht auf das Auto verzichten können. Fünf Fragen und fünf Antworten zur Sprit­preis­debatte im Betrieb.

Ute  Bösinger
09.10.2026
in diesem Artikel



    1. Was treibt die Preise an der Zapf­säule in die Höhe?

    Die Preise für Super 95 und Diesel waren in der 2. September­hälfte über dem bisherigen Rekordniveau von März. Höhere Spritpreise treffen auch jene, die nicht Auto fahren, denn sie treiben die Inflations­rate an. Höhere Transport­kosten verteuern alle Güter – das spüren die Menschen auch beim täglichen Einkauf. Inter­nationale Krisen wie derzeit in Nahost sind oft Auslöser solcher Preis­sprünge. Aber es kommt auch darauf an, wie die Mineralöl­konzerne reagieren.

    AK Energie-Expertin Christina Brichta-Hartmann: „Bei jeder Krisen­meldung steigen die Preise an den Zapfsäulen sofort. In den letzten Jahren haben wir aber beobachtet: Wenn sich die Krise entschärft, dauert es auffällig lange, bis die Preise wieder sinken.“ Seit Kurzem sind die Mineralöl­konzerne verpflichtet, Preis­senkungen im Einkauf so schnell wie möglich an die Kund:innen weiterzugeben.

    2. Prüft jemand, ob der Preis für einen Liter Benzin oder Diesel fair ist?  

    Es gibt eine Preis­kommission, die die Preis­entwicklung generell prüft – aber sie darf zu wenig: Bisher prüft sie nur Preise, wenn diese in Österreich deutlich über dem internationalen Niveau liegen. Bei einer weltweiten Spritpreis­steigerung hilft das nicht. „Wir brauchen eine stärkere Preis­kommission mit Biss“, sagt AK Expertin Brichta-Hartmann. Diese sollte künftig auch aktiv werden dürfen, wenn die Preise nur in Österreich auffällig ansteigen. „Damit hätten wir auch die Fakten auf dem Tisch, um die Margen etwa der Ölkonzerne zu beurteilen und notfalls einschränken zu können“, so die AK Expertin. 


    Christina Brichta-Hartmann, AK Wien © Lisi Specht
    Christina Brichta-Hartmann, Energieexpertin der Abteilung Wirtschaftspolitik der AK Wien © Lisi Specht

    „Wir brauchen eine stärkere Preis­kommission mit Biss.“


    Christina Brichta-Hartmann, AK Wien

    3. Was hilft gegen immer höhere Sprit­preise?

    Die großen Ölkonzerne haben in den vergangenen Monaten auffallend hohe Gewinn­spannen zwischen Einkaufs- und Verkaufs­preis erzielt. Diese „Raffinerie­marge“ beispielsweise bei der OMV hat sich im 2. Quartal 2026 mehr als verdoppelt. Die Regierung hatte die Marge der Mineralöl­konzerne im März schon einmal vorübergehend eingeschränkt. „Das hat die Preis­entwicklung spürbar gebremst“, so Brichta-Hartmann. 

    Zuletzt hat die Regierung eine Spritpreis­bremse für die Monate Oktober und November 2026 beschlossen. Die Mineralöl­steuer wurde um 6,7 Cent pro Liter gesenkt, dazu kam eine Begrenzung der Gewinnmargen um 3,5 Cent pro Liter.

    4. Warum nicht einfach deutlich runter mit der Sprit­steuer?

    Die Steuer­einnahmen auf Sprit dienen auch dazu, öffentliche Leistungen wie Schulen, Spitäler, Soziales oder den Straßen- und Bahn­ausbau zu finanzieren. Werden diese Steuern gesenkt, hat der Sozialstaat weniger Geld, und das spüren wir alle. Deshalb ist es wichtig, dass die Spritpreis­bremse nicht nur die Steuern senkt, sondern auch die überzogenen Gewinn­margen der Ölkonzerne einschränkt, damit diese sich keine goldene Nase auf Kosten der Konsument:innen verdienen.


    Max Knapp, AK Wien © Lisi Specht
    Max Knapp, Mobilitätsexperte der Abteilung Klima, Umwelt und Verkehr der AK Wien © Lisi Specht

    „Spanien und Frank­reich haben eine Ver­pflichtung der Arbeit­geber zu einem Mobili­täts­manage­ment bereits ein­ge­führt.“


    Max Knapp, AK Wien

    5. Was können Betriebs­rats­mitglieder tun?

    In Zeiten hoher Preise steigen viele Beschäftigte auf Öffis um. Max Knapp ist Mobilitäts­experte in der Abteilung Klima, Umwelt und Verkehr der AK Wien. Er meint: „Die Unter­nehmen sollten dies mehr fördern. Bisher sind die Betriebs­räte und die Beschäftigten auf den guten Willen der Unternehmen angewiesen. Das muss sich ändern.“ 

    Die AK setzt sich dafür ein, dass ab einer Betriebsgröße von 50 Beschäftigten jeder Arbeitgeber zu einem „Mobilitäts­management“ verpflichtet wird. Dabei geht es darum, dass sich die Firma unter Einbindung der Betriebsräte darum kümmert, wie die Beschäftigten zur Arbeit kommen.

    Die Unternehmen könnten etwa Schichtbusse einführen und Jobtickets für die Öffis fördern oder firmen­intern mit einer Mitfahr­börse Fahr­gemeinschaften ermöglichen, wenn die Beschäftigten auf das Auto angewiesen sind. „Spanien und Frankreich haben eine Verpflichtung der Arbeitgeber zu einem Mobilitäts­management bereits eingeführt. Das könnte auch den Beschäftigten in Österreich helfen.“

    gut zu wissen

    Die wichtigsten Forderungen der AK zu Sprit­preisen und Arbeits­wegen:
    Die Fahrt zur Arbeit leistbarer machen


    1. Mehr Preis­kontrollen sind entscheidend. Die Preis­kommission darf bisher nur prüfen, wenn die Spritpreise in Österreich auffällig von den inter­nationalen Entwicklungen abweichen. Das hilft in einer weltweiten Spritpreis­krise wenig.

      Die AK fordert „Preiskontrollen mit Biss“ auch auf österreichischer Ebene. Die untersuchten Unternehmen sollen beweisen müssen, dass ihre Preise gerecht­fertigt sind. Bisher liegt diese Beweislast bei der Preis­kommission. 

    2. Die AK fordert eine Beibehaltung der Sprit­preis­bremse, bis sich die Preise wieder normalisiert haben. Auf europäischer Ebene sollte eine Über­gewinn­steuer eingeführt werden. 

    3. Der Weg zur Arbeit geht auch die Arbeit­geber etwas an. Die AK fordert ein verpflichtendes Mobilitäts­management für Unter­nehmen ab 50 Beschäftigten unter Einbeziehung der Betriebs­räte. 

    4. Hilfe beim Preis­vergleich bietet der Sprit­preis­rechner der E-Control.