Die Preise für Super 95 und Diesel waren in der 2. Septemberhälfte über dem bisherigen Rekordniveau von März. Höhere Spritpreise treffen auch jene, die nicht Auto fahren, denn sie treiben die Inflationsrate an. Höhere Transportkosten verteuern alle Güter – das spüren die Menschen auch beim täglichen Einkauf. Internationale Krisen wie derzeit in Nahost sind oft Auslöser solcher Preissprünge. Aber es kommt auch darauf an, wie die Mineralölkonzerne reagieren.
AK Energie-Expertin Christina Brichta-Hartmann: „Bei jeder Krisenmeldung steigen die Preise an den Zapfsäulen sofort. In den letzten Jahren haben wir aber beobachtet: Wenn sich die Krise entschärft, dauert es auffällig lange, bis die Preise wieder sinken.“ Seit Kurzem sind die Mineralölkonzerne verpflichtet, Preissenkungen im Einkauf so schnell wie möglich an die Kund:innen weiterzugeben.
Es gibt eine Preiskommission, die die Preisentwicklung generell prüft – aber sie darf zu wenig: Bisher prüft sie nur Preise, wenn diese in Österreich deutlich über dem internationalen Niveau liegen. Bei einer weltweiten Spritpreissteigerung hilft das nicht. „Wir brauchen eine stärkere Preiskommission mit Biss“, sagt AK Expertin Brichta-Hartmann. Diese sollte künftig auch aktiv werden dürfen, wenn die Preise nur in Österreich auffällig ansteigen. „Damit hätten wir auch die Fakten auf dem Tisch, um die Margen etwa der Ölkonzerne zu beurteilen und notfalls einschränken zu können“, so die AK Expertin.
„Wir brauchen eine stärkere Preiskommission mit Biss.“
Christina Brichta-Hartmann, AK Wien
Die großen Ölkonzerne haben in den vergangenen Monaten auffallend hohe Gewinnspannen zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis erzielt. Diese „Raffineriemarge“ beispielsweise bei der OMV hat sich im 2. Quartal 2026 mehr als verdoppelt. Die Regierung hatte die Marge der Mineralölkonzerne im März schon einmal vorübergehend eingeschränkt. „Das hat die Preisentwicklung spürbar gebremst“, so Brichta-Hartmann.
Zuletzt hat die Regierung eine Spritpreisbremse für die Monate Oktober und November 2026 beschlossen. Die Mineralölsteuer wurde um 6,7 Cent pro Liter gesenkt, dazu kam eine Begrenzung der Gewinnmargen um 3,5 Cent pro Liter.
Die Steuereinnahmen auf Sprit dienen auch dazu, öffentliche Leistungen wie Schulen, Spitäler, Soziales oder den Straßen- und Bahnausbau zu finanzieren. Werden diese Steuern gesenkt, hat der Sozialstaat weniger Geld, und das spüren wir alle. Deshalb ist es wichtig, dass die Spritpreisbremse nicht nur die Steuern senkt, sondern auch die überzogenen Gewinnmargen der Ölkonzerne einschränkt, damit diese sich keine goldene Nase auf Kosten der Konsument:innen verdienen.
„Spanien und Frankreich haben eine Verpflichtung der Arbeitgeber zu einem Mobilitätsmanagement bereits eingeführt.“
Max Knapp, AK Wien
In Zeiten hoher Preise steigen viele Beschäftigte auf Öffis um. Max Knapp ist Mobilitätsexperte in der Abteilung Klima, Umwelt und Verkehr der AK Wien. Er meint: „Die Unternehmen sollten dies mehr fördern. Bisher sind die Betriebsräte und die Beschäftigten auf den guten Willen der Unternehmen angewiesen. Das muss sich ändern.“
Die AK setzt sich dafür ein, dass ab einer Betriebsgröße von 50 Beschäftigten jeder Arbeitgeber zu einem „Mobilitätsmanagement“ verpflichtet wird. Dabei geht es darum, dass sich die Firma unter Einbindung der Betriebsräte darum kümmert, wie die Beschäftigten zur Arbeit kommen.
Die Unternehmen könnten etwa Schichtbusse einführen und Jobtickets für die Öffis fördern oder firmenintern mit einer Mitfahrbörse Fahrgemeinschaften ermöglichen, wenn die Beschäftigten auf das Auto angewiesen sind. „Spanien und Frankreich haben eine Verpflichtung der Arbeitgeber zu einem Mobilitätsmanagement bereits eingeführt. Das könnte auch den Beschäftigten in Österreich helfen.“