Immer wieder wird über die Anhebung des Pensionsantrittsalters diskutiert. Doch was dabei fast immer ignoriert wird, ist die Tatsache, dass viele ältere Arbeitnehmer:innen schon jetzt nicht bis zur Pension arbeiten können – aus gesundheitlichen Gründen oder weil Arbeitgeber keine älteren Personen beschäftigen wollen.
Nur sechs von zehn Arbeitnehmer:innen glauben, dass sie ihren Job bis zur Pension überhaupt durchhalten können. Rund 30 Prozent der Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeiter:innen beschäftigen keine Menschen über 60 – und rund ein Viertel geht nicht direkt aus der Erwerbstätigkeit in Pension. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, die arbeiten wollen, aber häufig nicht mehr können oder dürfen.
Es ist absurd, dass Verantwortliche aus Wirtschaft und Industrie ein höheres Pensionsantrittsalter fordern, während gleichzeitig viele Betriebe keine Perspektiven für ältere Kolleg:innen bieten. Um das zu ändern, muss in der Arbeitswelt angesetzt werden.
Die Arbeiterkammer setzt sich für faire Rahmenbedingungen und alternsgerechte Arbeitsplätze für ältere Mitarbeitende ein. Die von der Bundesregierung initiierten Programme (wie das Älterenbeschäftigungspaket und die Aktion 55+) sind wichtige Schritte, um gesunde Beschäftigung bis zur Pension sicherzustellen.
Doch auch die Betriebe müssen endlich ihrer Verantwortung nachkommen: Nur mit fairen Bedingungen und mehr Verantwortung der Arbeitgeber wird gesundes Arbeiten bis zur Pension möglich sein.
Renate Anderl ist Präsidentin der AK Wien und der Bundesarbeitskammer.