Österreich durchlebt gerade eine schwächelnde wirtschaftliche Entwicklung. Neben den immer noch zu hohen Preisen finden aktuell rund 450.000 Menschen keinen Job. Verständlicherweise entzündet sich eine Debatte darum, wie wir dieses Problem lösen können. Gezielte Investitionen in Zukunftsbranchen oder eine kluge Strategie in der Arbeitsmarktpolitik etwa sind gangbare Wege. Nicht jedoch für die Industriellenvereinigung. Die Lobbyisten der großen Konzerne wiederholen einmal mehr ihren langweiligen Stehsatz: „Wir müssen die Lohnnebenkosten senken.“
Hinter dem Begriff „Lohnnebenkosten“ verbirgt sich aber nichts anderes als die Beiträge, die unseren Sozialstaat finanzieren. Ein Kürzen dieser Beiträge bedeutet weniger Geld in der Pensionsversicherung, in der Kranken- und Unfallversicherung sowie in der Arbeitslosenversicherung. Am Ende des Tages ist das eine weitere Belastung für alle Beschäftigten. Denn weniger Geld in den Sozialversicherungen bedeutet weniger Leistungen in einer ohnehin angespannten Lage.
Darüber hinaus wurden die Sozialstaatsbeiträge der Unternehmen in den letzten zehn Jahren schon in einigen Bereichen etappenweise gekürzt. Ich sehe hier keinerlei positive Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage – sondern lediglich einen Verlust für den Sozialstaat in Höhe von rund 16 Milliarden Euro seit dem Jahr 2015.
Wenn Unternehmen weniger Sozialstaatsbeiträge zahlen müssen, dann nützt das natürlich den Unternehmen und nicht der Allgemeinheit. Die Story, dass durch ein Absenken der Beiträge alle Menschen in der Gesellschaft profitieren, ist nur ein weiteres Kapitel im Märchenbuch des Neoliberalismus. Es geht um knallharte Klasseninteressen. Das Interesse der Industriellenvereinigung und ihrer Klientel ist ein Anheben der eigenen Profite und nicht das Funktionieren eines Sozialstaates.
Unsere Aufgabe als Gewerkschaftsbewegung ist es, den Sozialstaat nicht nur zu verteidigen, sondern ihn auszubauen. Und das mit einer gerechten Finanzierung. Wie wäre es mit Erbschafts- und Vermögenssteuern?