Geld, Familie, Imagebild Sozialversicherungen © bluedesign - stock.adobe.com


Kolumne Draufgeschaut

Sozialversicherungen:
Im Interesse der Profite

Geht es nach den Wünschen der Industriellen­vereinigung, sollen die Sozial­versicherungen beschnitten werden. Doch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist das keine gute Idee.

Oliver Piller
17.04.2026

 

Oliver Piller, AK Wien © Christian Heiling, Jakob Fielhauer
Oliver Piller, AK Wien © Christian Heiling, Jakob Fielhauer

Österreich durchlebt gerade eine schwächelnde wirtschaftliche Entwicklung. Neben den immer noch zu hohen Preisen finden aktuell rund 450.000 Menschen keinen Job. Verständlicher­weise entzündet sich eine Debatte darum, wie wir dieses Problem lösen können. Gezielte Investi­tionen in Zukunfts­branchen oder eine kluge Strategie in der Arbeits­marktpolitik etwa sind gangbare Wege. Nicht jedoch für die Industriellen­vereinigung. Die Lobbyisten der großen Konzerne wiederholen einmal mehr ihren langweiligen Stehsatz: „Wir müssen die Lohnneben­kosten senken.“ 

Lohnnebenkosten: Beiträge für unseren Sozialstaat

Hinter dem Begriff „Lohn­neben­kosten“ verbirgt sich aber nichts anderes als die Beiträge, die unseren Sozialstaat finanzieren. Ein Kürzen dieser Beiträge bedeutet weniger Geld in der Pensions­versicherung, in der Kranken- und Unfall­versicherung sowie in der Arbeitslosen­versicherung. Am Ende des Tages ist das eine weitere Belastung für alle Beschäftigten. Denn weniger Geld in den Sozial­versicherungen bedeutet weniger Leistungen in einer ohnehin angespannten Lage. 

Darüber hinaus wurden die Sozialstaats­beiträge der Unternehmen in den letzten zehn Jahren schon in einigen Bereichen etappen­weise gekürzt. Ich sehe hier keinerlei positive Aus­wirkungen auf die wirtschaftliche Lage – sondern lediglich einen Verlust für den Sozialstaat in Höhe von rund 16 Milliarden Euro seit dem Jahr 2015. 
 

Nutzen für Unternehmen, nicht die Allgemeinheit

Wenn Unternehmen weniger Sozial­staats­beiträge zahlen müssen, dann nützt das natürlich den Unter­nehmen und nicht der Allgemein­heit. Die Story, dass durch ein Absenken der Beiträge alle Menschen in der Gesellschaft profitieren, ist nur ein weiteres Kapitel im Märchen­buch des Neoliberalismus. Es geht um knallharte Klassen­interessen. Das Interesse der Industriellen­vereinigung und ihrer Klientel ist ein Anheben der eigenen Profite und nicht das Funktionieren eines Sozialstaates.

Unsere Aufgabe als Gewerkschafts­bewegung ist es, den Sozialstaat nicht nur zu verteidigen, sondern ihn auszubauen. Und das mit einer gerechten Finanzierung. Wie wäre es mit Erbschafts- und Vermögens­steuern?  

Weitere Artikel

Mitbestimmung aus Sicht der Führungskraft © AKtuell; be free - stock.adobe.com
Mitbestimmen
­Mit­be­stim­mung durch die Chef:in­nen­brille
Wie sehen Füh­rungs­kräf­te das The­ma Mit­be­stim­mung? Und was den­ken sie über Be­triebs­räte? Eine neue Stu­die gibt Ein­blick.
Betriebsrätin Karin Samer zum Thema Teilzeit © Markus Zahradnik
Arbeitszeit
Teilzeit: Von wegen „Lifestyle“
Rund 1,4 Mio. Men­schen ar­bei­ten in Öster­reich in Teil­zeit. Be­triebs­rätin Karin Samer kennt Si­tua­tion und Sor­gen.