Wer Teilzeit arbeitet, soll weniger Sozialhilfe bekommen. So lautete zumindest der Vorschlag von Arbeitsminister Martin Kocher vor einigen Wochen. Damit sollen mehr Menschen in Vollzeitjobs gebracht werden. Das meint der „Top-Experte“, schließlich war er Direktor im Institut für Höhere Studien. Der muss es wohl wissen, oder? Schützenhilfe bekommt Kocher von einer Expertin des neoliberalen Eco Austria Instituts. Sie unterstützt den Minister bei seinem Vorstoß und hat auch beim Thema Arbeitszeitverkürzung eine klare Meinung: Das schadet der Wirtschaft.
Gerade auch Wirtschafts- und Politik-Expert:innen haben ein Weltbild mit Annahmen und Meinungen. Sie argumentieren in diesem Sinne und beeinflussen öffentliche Debatten und Politik im Allgemeinen. Speziell konservative und liberale Expert:innen verschleiern ihre Absichten gerne hinter dem Deckmantel der Alternativlosigkeit und Objektivität. Lüften wir den Schleier!
Wem nützt das Beschneiden der Sozialhilfe? Wer hat kein Interesse an kürzeren Normalarbeitszeiten? Wer stellt sich gegen einen Stopp der Mieterhöhungen? Sprechen wir es klar aus: Im Interessensgegensatz zwischen Arbeit und Kapital nutzen diese Vorstöße eindeutig den Wirtschaftsbossen und Immobilienspekulanten. Die Frage „Wem nützt es wirklich?“ hilft uns dabei, einen scheinbar alternativlosen, neoliberalen Weg kritisch zu hinterfragen.
Im Kampf darüber, wie wir das gesellschaftliche Leben organisieren wollen, nehmen Expert:innen eine Klassenposition ein – auch in den Gewerkschaften und der Arbeiterkammer. Erbschafts- und Vermögenssteuern, eine Mietpreisbremse oder Arbeitszeitverkürzung fordern unsere Expert:innen im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung, der Arbeiter:innen und Angestellten. Und sie benennen es auch. Es gilt fortschrittliche Alternativen zu entwickeln und nicht im krisengeschüttelten Jetzt weiterzuwurschteln.