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Dranbleiben

Das Problem mit „Expert:innen“

Men­schen, die in einem Be­reich viel wissen oder er­fahren sind, gelten als Ex­pert:innen. Bei gesell­schafts­po­li­ti­schen Fra­gen haben aber auch sie ihr eige­nes Welt­bild.

Oliver Piller
18.04.2023

Wer Teilzeit arbeitet, soll weniger Sozialhilfe bekommen. So lautete zumindest der Vorschlag von Arbeitsminister Martin Kocher vor einigen Wochen. Damit sollen mehr Menschen in Vollzeitjobs gebracht werden. Das meint der „Top-Experte“, schließlich war er Direktor im Institut für Höhere Studien. Der muss es wohl wissen, oder? Schützenhilfe bekommt Kocher von einer Expertin des neoliberalen Eco Austria Instituts. Sie unterstützt den Minister bei seinem Vorstoß und hat auch beim Thema Arbeitszeitverkürzung eine klare Meinung: Das schadet der Wirtschaft.


Oliver Piller, AK Wien © Christian Heiling, Jakob Fielhauer
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Oliver Piller, AK Wien

 

Objektiv - gibt's das überhaupt?

Gerade auch Wirtschafts­- und Politik­-Expert:innen haben ein Welt­bild mit An­nahmen und Meinungen. Sie argumentieren in diesem Sinne und be­einflussen öffent­liche Debatten und Politik im Allgemeinen. Speziell konservative und libe­rale Ex­pert:innen verschleiern ihre Ab­sichten gerne hinter dem Deck­mantel der Alternativ­losigkeit und Objek­tivität. Lüften wir den Schleier!

Wem nützt das Be­schneiden der Sozial­hilfe? Wer hat kein Inter­esse an kürzeren Normal­arbeits­zeiten? Wer stellt sich gegen einen Stopp der Mieterhöhungen? Sprechen wir es klar aus: Im Interessens­gegensatz zwischen Arbeit und Kapital nutzen diese Vorstöße eindeutig den Wirtschafts­bossen und Immobilien­spekulanten. Die Frage „Wem nützt es wirklich?“ hilft uns dabei, einen scheinbar alternativ­losen, neoliberalen Weg kritisch zu hinterfragen.


Gesellschaftliches Ringen

Im Kampf darüber, wie wir das gesellschaftliche Leben organisieren wollen, nehmen Expert:innen eine Klassen­position ein – auch in den Gewerk­schaften und der Arbeiter­kammer. Erbschafts­- und Vermögens­steuern, eine Miet­preis­bremse oder Arbeits­zeit­verkürzung fordern unsere Expert:innen im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung, der Arbeiter:innen und Angestellten. Und sie benennen es auch. Es gilt fort­schrittliche Alter­nativen zu entwickeln und nicht im krisen­ge­schüttelten Jetzt weiter­zuwursch­teln.


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