Ab 2024 steigt das gesetzliche Pensionsantrittsalter der Frauen laufend an, bis es ab dem zweiten Halbjahr 2033 – wie jenes der Männer – bei 65 Jahren liegt. Sind die Betriebe darauf vorbereitet? Mit dieser Frage befassten sich die Forschungsinstitute WIFO und FORBA im Auftrag der AK. Die Ergebnisse der Studie lassen die Alarmglocken schrillen. Nur jede zweite Frau wechselt direkt aus der Erwerbstätigkeit in die Pension. Schon jetzt schafft es damit ein Teil der Unternehmen nicht, den Frauen Beschäftigungsmöglichkeiten bis zur Pension zu bieten.
Steigt das gesetzliche Pensionsantrittsalter, führt das nicht automatisch zu einer längeren Beschäftigung. Neben der Entwicklung am Arbeitsmarkt sind die Arbeitsbedingungen und die Personalpolitik in den Betrieben die wesentlichen Faktoren. Hier orten die Studienautorinnen massiven Handlungsbedarf. Denn es gibt kaum vorausschauende Überlegungen in den Betrieben, damit die Anhebung des Antrittsalters nicht zum Bumerang für die Frauen wird. „Es ist Zeit, die Vogel-Strauss-Politik zu beenden. Die Betriebe und die Politik sind gefordert, gesundes Arbeiten bis zur Pension zu ermöglichen“, sagt ÖGB-Frauenvorsitzende Korinna Schumann.
Korinna Schumann, ÖGB-Frauenvorsitzende
Besonders negativ fallen die Branchen Tourismus und Reinigung auf. „Nur rund ein Viertel der Frauen aus diesen Branchen wechselt direkt aus der Erwerbstätigkeit in die Pension“, berichtet Vera Glassner, Referentin in der Frauen-Abteilung der AK Wien. Sehr skeptisch, bis zur Pension durchzuhalten, sind zudem die Beschäftigten in der Pflege und Betreuung. Auch die Betriebsgröße spielt eine große Rolle. „Oft denkt man, in Kleinbetrieben geht es familiär zu. Doch Frauen aus Kleinbetrieben gelingt es am seltensten, bis zum Pensionsantritt den Job zu behalten“, sagt Monika Weissensteiner, stellvertretende Leiterin der Abteilung Sozialversicherung in der AK Wien.
Großen Handlungsbedarf gibt es dabei, die Arbeitsbedingungen alternsgerecht zu gestalten. In einem Handelsbetrieb, der sich an der Studie beteiligte, galt das Leitmotiv „Jede:r macht alles“. Für ältere Beschäftigte wurden die körperlich schweren Tätigkeiten wie das Auspacken und Einräumen der Waren zum Problem, ebenso die 9-Stunden-Schichten. Hier gilt es, mehr auf die Bedürfnisse der Beschäftigten zu achten. „Dazu gehören Arbeitszeitmodelle, die zu den Lebenslagen der einzelnen Arbeitnehmer:innen passen“, sagt Vera Glassner. Wesentlich für den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit ist auch Weiterbildung. Werden Frauen ab einem bestimmten Alter bei der Weiterbildung im Betrieb übergangen? „Dann sollte der Betriebsrat bei den Personalverantwortlichen darauf dringen, dass diese Diskriminierung abgestellt wird“, so Schumann.
Es braucht eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie für beide Elternteile statt Rahmenbedingungen, die Minijobs für Mütter befördern – mit all den negativen Folgen für die Pension. Für Beschäftigte in Berufen mit hohen Mehrfachbelastungen, etwa in der Pflege, müsse der Zugang zur Schwerarbeitspension erleichtert werden, sagt Schumann. Denn ab 2024 ist diese Pensionsart auch für Frauen die einzige Möglichkeit, um mit 60 eine Alterspension antreten zu können. Weiterentwickelt werden sollte auch die Altersteilzeit. Und wenn Frauen länger im Erwerbsleben bleiben, „fallen sie auch bei der Betreuung der Enkerln und von Angehörigen aus“, so Schumann. Das bedeutet: Es braucht mehr Angebot an professioneller Pflege und Kinderbetreuung.
Was Sie jetzt schon für Ihre gesetzliche Pension tun können - ein AK-Ratgeber
Defizite orteten die Studienautorinnen zudem beim Wissen der Beschäftigten über unser Pensionssystem. „Die wenigsten wissen, dass sie jederzeit online Einschau in den aktuellen Stand ihres Pensionskontos nehmen und berechnen können, wie hoch ihre Pension einmal sein wird“, sagt Weissensteiner. Ratsam ist, sich nicht erst kurz vor Pensionsantritt zu informieren, sondern viel früher. Schließlich wirken sich nicht nur die letzten Jahre, sondern alle Beschäftigungszeiten auf die Pensionshöhe aus. Betriebsrät:innen können mithelfen, diese Informationen zu verbreiten. Wer mehr weiß, kann vorausschauender handeln. Das stärkt.
Monika Weissensteiner, stv. Leiterin der Abt. Sozialversicherung in der AK Wien
Für den Zugang zum Online-Pensionskonto benötigt man eine Handysignatur.